Tokyo II: Sightseeing und echt panische Gefühle

Es ist kalt in Japan. Zu kalt. Ich will endlich sowas wie Frühling! Das Apartment verfügte jedoch über eine Klimaanlage, die auch als Heizung funktionierte. Die Fernbedienung war auf Japanisch, natürlich, eine Übersetzung hatten uns die “Vermieter” westlicher Abstammung aber nicht zur Verfügung gestellt. Auch nicht von der Waschmaschine. Also erstmal alles durchdrücken, was geht. Was dann aus dem Gerät kam, war heisse, stickige Luft. Im Schlaf-/Wohn-/Essraum. Im Bad war es immer noch kalt.

Es wechselte auch sonst zwischen kalt, gefühlt noch kälter bei Wind, warm, zugschwül, heiss. Prompt erkältete ich mich und durfte immer schön die Nase hochziehen; wie die Japaner halt.

Am zweiten Tag in Tokyo gaben wir uns das Sightseeing Programm auf eigene Faust. Im Park Shinjuku Goyen konnte man mal durchatmen. Die wenigen, blühenden Kirschbäume wurden von der Touristen-Paparazzi fotografiert wie wild. Insgesamt sah alles noch sehr braun und karg aus. Der Frühling lässt sich Zeit. Protest! Ich zahle hier voll viel Geld und die Kirschblüten wollen noch nicht aufpoppen! Wenigstens brannte die Sonne vom Himmel und ich holte mir einen leichten Sonnenbrand, den ersten des Jahres, hurra!

Wo sind die Kirschblüten!?!?
Wo sind die Kirschbüten!?!?
Aaaaah, da!
Aaaaah, da!

Im Stadtviertel Asakusa bestaunte ich den ältesten Tempel und machte ein paar Rituale mit, die natürlich nur mit Geld durchzuführen sind: Dose mit Stäbchen schütteln, bis ein Stick mit einem japanischen Schriftzeichen herauskommt, entsprechende Schublade mit der gleichen Beschriftung suchen (ich hatte Hilfe), Glücksvorhersage entnehmen = 100 Yen. Geld in Behälter werfen, was dann toll pling-plong macht, währenddessen Wunsch formulieren, geht vielleicht in Erfüllung = freiwilliger Kleinstbetrag. Um den Tempel herum gab es natürlich massenhaft Souvenirshops, um die Kaufgier zu befriedigen.

Auf der nahe gelegenen Küchenbedarfsmeile konnte man tollen Tourinepp kaufen und kunstvolle Nachbildungen diverser japanischer Gerichte aus Plastik bestaunen. Und kaufen. Wenn man das nötige Kleingeld, und nicht schon alles für Glücksvorhersagen ausgegeben hat.

Mein Freund erstand im Plattenladen tolle Disko-Platten für wenig Geld. Allein zum Platten kaufen lohnt es sich, nach Tokyo zu fliegen! Bei 30 Kilo Höchstgewicht beim Rückflug geht da auf jeden Fall noch was!

Und endlich kam ich den Genuss der gefürchteten Rush-hour! Vielleicht war es nicht ganz so schlimm, weil es noch nicht Sommer ist, aber es war schon so gepflegt eng und stickig, dass ich wirklich Platzangst bekam. Kurzatmigkeit, Herzrasen. Es kam einfach so über mich. Und ich habe sonst NIE Platzangst. Aber das hier war eine andere Hausnummer! Ich konnte mich nur noch auf einen Punkt auf der Werbeanzeige konzentrieren und ruhig weiter atmen, den Kopf gen Klimaanlage strecken. Schweiss rann mir am Rücken entlang und ich hoffte, dass die Fahrt bald vorüber sei. Nach dem langen Sightseeing Tag gab mir das den Rest. Obwohl das japanische öffentliche Verkehrssystem zu den besten der Welt gehört (neben DB und KVB, hahaha), darf man die Komplexität nicht unterschätzen. Wir verfuhren uns diverse Male.

Zwischen acht und neun Uhr sollte der Koffer kommen. Er kam nicht. Aber morgen früh, ganz bestimmt!

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