Tanz auf dem Vulkan: Java

Ich beschloss also, auch die indonesische Nachbarinsel von Sumatra zu besuchen und flog, auf den Spuren meiner Angetrauten Claire, von Padang über Jakarta nach Yogyakarta. In einem kleinen Losmen (= Pension) trafen wir uns wieder und erkundeten gemeinsam die Stadt. Sie hatte bereits Bekanntschaft mit Christian (ca. 60 Jahre alt) gemacht, ein Langzeitreisender aus Frankreich, der auf Bali Klamotten fertigen lässt und diese in Frankreich verkauft. Mit ihm und einem Local, der einen kleinen Accessoires-Shop im Viertel betreibt, machten wir uns einen netten Abend, der auf dem Boden vor einem 24-Stunden Supermarkt endete, wo wir zu später Stunde noch Pommes mit Chili-Sosse und Saté-Spiesse verspeisten. Am nächsten Tag hatte ich Kopfschmerzen. Bintang sei Dank.

Auf dem Plan stand natürlich eine Fahrt zum beeindruckenden buddhistischen Tempel “Borobodur”. Auch hier wurde ich von interessierten Studenten fotografiert, die mich wohl genauso spannend fanden wie den Tempel. Irgendwie verlor ich Claire auf dem Areal und schnappte mir das Megaphon der Security und rief sie aus: “Claire, Claire, I am waiting at the exit! Claire, please come to the exit.” Brüller!

Den Abend zelebrierten wir mit einem vorgezogenen X-Mas-Dinner: Kürbiskernsuppe mit Bacon und Croutons sowie Ente mit Kartoffelgratin. Danach konnte ich mich nicht mehr bewegen – mein Magen ist aktuell eher auf Reis und Chicken statt Kartoffeln in Sahnesosse eingestellt.

Am nächsten Morgen ging es dann auf zum Vulkan Bromo. Wir buchten eine Tour und machten es uns im Minibus für die 12 Stunden Anreise “gemütlich”. Nach etwa drei Stunden Schlaf im letzten Dorf vor dem Vulkan standen wir um 3 Uhr morgens auf, um für den Sonnenaufgang parat zu sein. Mit einem Jeep ging es noch eine Stunde bergauf, zusammen mit etwa 100 anderen Fahrzeugen: Sunrise Safari. Der Ausblick war grandios, auch wenn asiatische Selfie-Shooter teilweise die Stimmung beeinträchtigten. Zurück im “Hotel” gab es noch ein Toast und ein Ei zum Frühstück, dann weiter zum Vulkankrater Ijen, wo Schwefel abgebaut wird.

In Pobolinggo, dem Hauptsitz der Tourgesellschaft, mussten wir den Bus wechseln. Hier wurde mir mein iPhone geklaut. Die Geschichte ist lang und nervenaufreibend und ich heulte rum und konnte es nicht fassen. Auf der Polizeistation bekam ich einen Wisch für die Versicherung. Dankeschön!
Frustriert, sauer und durcheinander wollte ich die ganze Scheisstour abbrechen und direkt nach Jakarta fliegen, aber Claire hielt mich davon ab und so setzte ich die ja bereits bezahlte Tour fort. Ohne iPhone.

Nun denn: im Krater Ijen kann man vor Sonnenaufgang das blaue Feuer bestaunen, wenn das austretende Gas entzündet wird. Was tut man nicht alles für den Sonnenaufgang. Schlaf: 2 Stunden, Aufstieg: 2 Stunden (sehr sehr steil), Abstieg in den Krater: 1 Stunde. Aber dann: eine nahezu unwirkliche Kulisse. Gelbes Schwefelgestein, blaues Feuer, ein giftiger grüner See.

Für den Rückweg plante ich einen Flug (bloss kein Bus mehr) von Subaraya zurück nach Jakarta, von wo aus mein Flug nach Vietnam gehen sollte. Auf der Rückfahrt setzten wir zunächst die Teilnehmer an der Fähre ab, die rüber nach Bali schipperten. Das waren alle, ausser mir. Ich musste in Pobolinggo nochmal den Bus wechseln und mir wurde der Hof gemacht. Es gab ein kostenloses Mittagessen, Tee und man buchte mir das Ticket nach Jakarta (das bezahlte ich natürlich). Hatte da jemand etwas gut zu machen? Schlechtes Gewissen? Ich vermutete, dass da alle unter einer Decke steckten, aber ich konnte nichts beweisen und eine Aufklärung auf indonesische Art (Schlägertrupp, burning down the house) wollte ich nicht in Erwägung ziehen. Nicht mein Niveau.

Nach 24 Stunden on the road and in the sky erreichte ich mein Hostel in Jakarta und gönnte mir am nächsten Tag erstmal sechs Stunden Day-Spa (Hallooooo, mit Dornbracht Armaturen!) inklusive Massage, Face-Treatment, Pediküre und Body-Massage. Und ‘ne Pizza! Da war das Seelenleben wieder hergestellt. Im Hostel waren nette Leute, die zwei Geschäftsführerinnen großartig und so ging mein Besuch auf Java doch noch sehr schön zu Ende.

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