Sapa – meine Welt sind nicht die Berge

In Nordvietnam gibt es tolle Berge! Der Fan Si Pan ist mit 3.143 Metern der Höchste im Land und die Umgebung mit zahlreichen Reisfeldern, kleinen Dörfern und ihren traditionell gekleideten Einwohnern lädt zum Trekking ein. Beliebt ist auch das Übernachten bei den Dorfbewohnern, den so genannten “Minoritys”.

Wir buchten eine Tour:
– Anreise Sapa
– Besteigung Fan Si Pan mit 1 Übernachtung am Berg in 2.700m Höhe
– 12km Trekking und Übernachtung im Homestay/Minoritys
– Trekking zurück nach Sapa und Abreise

Panda geht wandern.
Panda geht wandern.

Wir nahmen den Sleeping Bus von Hanoi direkt nach Sapa. 13 Stunden Fahrt im grössten Schlafsaal, in dem ich jemals war. 25 Liegesitze mit Touristen aus aller Welt, Stinkefüssen, Schnarch- und Furzgeräuschen in der Nacht und einem kleinen Reiseklo. Netto zwei Stunden habe ich geschlafen, da kamen wir auch schon an, flugs ein Frühstück reingehauen und schon ging es in den Berg. Zunächst gemütlich, dann wurde es steil. Ich war so unendlich müde und hatte kaum Power. Dann der schwere Rucksack mit Proviant, da uns gesagt wurde, dass es keinen Lunch gibt. Gab es dann aber doch und noch vier Flaschen Wasser für jeden obendrauf. Wo ist mein Schleppesel?

Zweistöckiger Bus.
Zweistöckiger Bus.
Mit Discobeleuchtung.
Mit Discobeleuchtung.

Der Weg wurde immer schwieriger, mit Wurzeln, Schlamm und grossen Steinen. Dann Kletterleitern. Ich dachte ich seh’ nicht richtig! Mir wurde ausdrücklich im Tourbüro gesagt, dass der Weg total easy sei. Von wegen! Ich war total sauer und schrieb in Gedanken schon einen vernichtenden Tripadvisor Eintrag. Und unsere Wandergruppe war auch total bescheuert. Drei Leute aus Irland und den Niederlanden, total schnelle Sohle, der Guide war auch nur vorne bei denen, mein Freund zum Glück bei mir. Ich wurde immer langsamer, die Pausen in immer kürzeren Abständen fällig. Es war kalt, ich schwitzte und die Zeit stand uns im Nacken, denn wir wollten auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit oben im Camp sein.

Zu sehen gab es nichts. Keine View, ich hatte ein Sri Lanka Déja-vue (Adam’s Peak) und war nur noch am motzen und zeigte durch eine deutlich erkennbare Hackfresse, wie furchtbar ich das alles fand. Den Aufstieg zum Gipfel stornierte ich bereits in Gedanken.

Lohnt sich!
Lohnt sich!

Dann endlich, das Camp!

Geschlafen wurde auf Holzlatten mit schmaler Isomatte. Keine Heizung, kein Feuer zum Aufwärmen, kein Tee, kein heisses Wasser zum Waschen. Also rein in den fiesen Schlafsack, mit all den eingeschwitzten Klamotten. Es war so kalt: Eisnase, Eisfüsse, Eishände.

Die drei von der Laufgruppe hatten total gute Laune und zockten Karten. Ich verabschiedete mich nach dem Essen (bei dem ich die grosse Reisschale in den Händen hielt, um mich etwas aufzuwärmen) und rollte mich nach links. Durch die Anwesenheit einer vietnamesischen Studentenreisegruppe aus Ho Chi Minh (ca. 60 Leute) wurde es dann insgesamt etwas wärmer im Camp.

Die Nacht war besser als erwartet, wahrscheinlich weil ich so erschöpft war, schlief ich sogar besser als im Sleeping-Bus. Reinhold Messner mag mich schlagen, aber auf den Gipfel bin ich nicht. Übelst wenig Lust um 4:30 Uhr aufzustehen und gegen eine Nebelwand zu glotzen. Dann lieber nochmal auf den Holzlatten umdrehen.

Beim Abstieg war ich plötzlich total motiviert! Und eine Urkunde, dass ich auf dem Gipfel war, hab ich trotzdem bekommen! Geht doch!

Zurück im Hotel dann der nächste Klopper: ein eiskaltes Zimmer, kaltes Wasser unter der Dusche. “You booked a room without heater. No heater? You can rent! Hot water? No quik quik. Wait! Half n hour!” O-Ton Nora unter Tränen : “Ich find’s hier so scheisse, ich will hier weg!”

Wir cancelten die Homestay Nummer, denn darauf hatte ich keinen Bock mehr. Da am nächsten Tag aber die Sonne (!!!) schien, machten wir noch das 12km Trekking mit. Man, hatte ich Muskelkater.

Sapa ist eine einzige Touristenschleuse, diese ganze Minority-Story ist total Banane, obwohl die Leute wirklich nett sind, aber auch nur, weil sie ihre Sachen verkaufen wollen und einem hinterherlaufen, wenn nicht.

Am Abend reisten wir ab. Mit drei Stunden Verspätung, weil uns der Hotelsohn zum falschen Bus geführt hatte. Warum auch ein Happy End?

Im Nachhinein kann ich mich nur noch kaputtlachen über diesen gelungenen Ausflug. Heute habe ich eine dicke Erkältung.

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