Phnom Penh und die grausame Geschichte Kambodschas

In der Hauptstadt von Kambodscha verbrachten wir am Ende der Rundreise vier Tage, um in die frühe Geschichte des Landes einzutauchen: die Kriegsherrschaft der Roten Khmer und die schrecklichen Verbrechen, die sie dem eigenen Volke angetan haben. In den siebziger Jahren, unter dem Kommunisten Paul Pot, wurde der Bauernstaat ausgerufen und die Bewohner der Städte, Ärzte, Juristen, Lehrer, Literaten und alle, die nur eine Brille trugen oder in irgendeiner Form Intelligenz ausdrückten, wurden deportiert, verhört und auf grausamste Weise hingerichtet. Der Besuch eines der “Killing Fields” hatte etwas sehr sehr beklemmendes. Es handelt sich dabei um die Massengräber, die überall im Land verteilt sind. In der Nähe von Phnom Penh wurde eines für Besucherzwecke aufbereitet.

Die Menschen wurden nach monatelanger Arbeit in den Reisfeldern ohne ausreichend Nahrung mit primitiven Waffen (Beil, Axt, Bambusstock etc.) ermordet. Auf dem Feld sah man noch Knochen liegen, Stoffreste von Kleidungsstücken ragten aus der Erde heraus – und zwar auf den Wegen, die man entlang ging! Diese Überreste kommen nach und nach zum Vorschein und werden zweimal im Monat eingesammelt. Mir wurde regelrecht übel, als ich beinahe auf eines dieser Kleidungsfetzen trat und noch mehr als ich sah, dass andere Besucher, ohne es zu wissen, drüberlatschten. Babys wurden an einem Baum einfach zerschmettert und ihre Mütter mussten dabei zusehen …

In der Innenstadt besuchten wir hiernach noch das Gefängnis, eine ehemalige Schule, in der die “Intellektuellen” des Landes verhört und gefoltert wurden. Man durchlief die Räume, die Zellen, auf dem Innenhof sah man noch den Galgen. Ich konnte einfach nichts anfassen, denn von den Mauern hallte in meinen Ohren noch das Leid und die Qual der Gefangenen wider.

Am Ausgang saß einer der Überlebenden aus diesem Gefängnis. Er wurde mit sechs anderen Menschen gerettet. Erst gingen wir an ihm vorbei, aber dann machte ich kehrt, ging zu ihm, nahm seine Hände und fing fast an zu weinen.

Danach war der Tag gelaufen.

An den anderen Tagen gab es zum Glück ein leichter verdauliches Kulturprogramm.

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