Pelikane am Pazifik

San Blas lag hinter uns. Die dei Bären und ich fuhren nun, nach einer Nacht im Hostel in Panama city und extrem anschwellendem Stadtkoller, mit einem Mietwagen auf der Panamerican nach Santa Clara.

Die Karre.
Die Karre.
Aus dem Auto fotografiert.
Aus dem Auto fotografiert.
.
.
Unter dieser Brücke fahren die Schiffe in den Kanal ein.
Unter dieser Brücke fahren die Schiffe in den Kanal ein.

Es handelte sich dabei um einen Urlaubsort mit Golfplätzen und Posh-Hotels, etwa vier Stunden von Panama city entfernt. Dort hatten wir die “Casita Fallerón” gebucht, ein Haus für normalerweise 8 Personen, das wir ganz für uns hatten.

Villa Kunterbunt!
Villa Kunterbunt!

75€ pro Person für drei Nächte, da lacht das Backpacker Herz – und weint die Sauberkeitsfee. Ich sag mal so: betrachtete man das grosse Ganze war es eigentlich ganz schön. Wir konnten die Küche nutzen und kochten uns leckere Spaghetti, nachdem wir im Restaurant doch bissken viel für Gambas und Co. ausgegeben hatten. Die zahlreichen Käfer, Motten und anderen Insekten in der Küche landeten zum Glück nicht in der Pfanne und wenn, dann haben wir sie mit reichlich “Balboa” Bier runtergespült und sorgten nebenbei für reichlich Proteine. Der Strand jedenfalls war ganz schön, auch wenn man es wegen der brütenden Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit maximal eine halbe Stunde dort aushielt.

Der Formations-Flug der Pelikane war ebenfalls sehr schön anzusehen, leider kann ich es auf den Bildern nicht so gut wiedergeben.

Fliiieg kleiner Pelikano!
Fliiieg kleiner Pelikano!

Ein Mietwagen ist natürlich grossartig, wenn man die Gegend erkunden will und so besuchten wir die kleine Stadt Penonomé (uninteressant, ich shoppte eine Beach-Hose für 3$) und fuhren an einem anderen Tag durch das Hinterland (interessant, ich freute mich über die Landschaft). Ausserdem besuchten wir “El Valle Antón”, wo man für 5$ einen Wasserfall anschauen und für 65$ Zip-Lining machen konnte. Wir wählten jedoch nur den Wasserfall sowie einen Aufstieg durch den Regenwald. Der Eintritt kostete dort nur 3$ und verlangte unseren Adonis-Fitness-Körpern so einiges ab.

Am letzten gemeinsamen Abend gab es nochmal Spaghetti, diesmal à la Bolognese, und lustige Geschichten von Daniel und seiner schrecklichsten Unterkunft in Kolumbien. Dagegen war die Casita ein 7 Sterne Hotel!

San Blas mit Bass

Von über 300 Inseln der Kuna Yala kamen wir für zwei Nächte auf die 120x60m große “Perro chico”. Hier wollte ich nun endlich Ruhe finden und im Meer schwimmen, lesen, Fisch essen.

Mir wurden alle Wünsche erfüllt, ausser: Ruhe. Denn es war Sonntag und Familienausflug angesagt! Yeah! Bei Ankunft am kleinen Strand um 9 Uhr ballerte bereits die Box die Lieblingslieder der Panamer raus, an den Nebentischen hatten Besucher ihre eigene Boom-Boom Maschine aufgebaut (weil die Musik aus der Hauptbox nicht gefiel) und so war den ganzen ersten Tag Remmidemmi angesagt. Hinzu kam, dass die Inselbewohner neben unseren einfachen Hütten ein Boot mit Schleifmaschinen bearbeiteten, die im oberen Frequenzbereich schrien. Dazu braucht man Strom und der kam von einem durchgehend brummenden Generator. Durchgehend. Der lief also wirklich die ganze Zeit über, weil er auch den Strom für die Kühlschränke etc. lieferte. Und ich dachte hier gibt es kein Strom.

Dafür wenigstens kaltes Bier.

Ich jedenfalls bin fast zwei Tage lang mit Ohrenstöpseln rumgelaufen, Tag wie Nacht. Das erste Mal hatte ich das Gefühl, auf einer Insel gefangen zu sein. Wie konnte ich bloss diesem Lärm entkommen? Wegschwimmen? Beim Bootsausflug am zweiten Tag gab es wenigstens drei wundervolle Stunden auf einer anderen Insel ohne Generator.

Colón Hauptbahnhof

Jetzt hab ich schon pendelfrei und sitze doch wieder im Zug! Nee, natürlich ist das hier etwas anderes. Es handelte sich um den Panama Express mit Panorama Abteil für Touristen, der in 1,5 Stunden vom Pazifik an den Atlantik fährt, entlang des Kanals und durch den Regenwald.

Nun hieß es mal wieder früh aufstehen, denn Abfahrt war pünktlich um 7:15h. Mit 25$ für die Hinfahrt nach Colón waren wir dabei. Die Aussicht: herrlich! Bahnhof Colón: gefährlich. Wir wagten uns von der Endstation zum Busbahnhof (300m) und beschlossen einstimmig, uns nicht länger in der Stadt aufzuhalten. Hier waberte Böses in der Luft und in jedem Reiseführer wird vor Überfällen gewarnt. Am Busterminal sahen die Leuts auch nicht gerade freundlich aus, schnell weg.

Nach einer kleinen Fiesta en la casa buchten wir das angebliche Paradies. Übermorgen geht auf die San Blas im geschützten Gebiet der Kuna Yala Indigenen. Ein Inselparadies!

Ich freue mich vor allem auf RUHE! Aktuell sitze ich nämlich schon tagsüber mit Ohrstöpseln in der Wohnung, weil von allen Seiten – ich sagte es bereits.

Weltwunder Kanal

Er ist wahrhaft beeindruckend, der Panama-Kanal! Wir machten uns morgens nach einem feudalen Frühstück auf den Weg zu den Miraflores Schleusen. Von der Besucherterrasse aus hatte man einen super Blick auf das Geschehen. Große Frachtschiffe passierten die Schleusen, riesige Rohstoff-Tanker und auch kleine Segelboote und schicke Yachten. Sie alle nehmen die Abkürzung zum Pazifik durch die von Menschenhand geschaffene Flussautobahn. Bei einem großen Schiff dauert die Fahrt durch die Schleuse vielleicht eine halbe Stunde, die ganze Überfahrt rund 10 Stunden und kostet, je nach Gewicht, etwa 100.000$ ?! Durch den Bau einer weiteren Schleuse können nun noch größere Schiffe passieren, die mit fast 1 Mio.$ zur Kasse gebeten werden. Anschauen kann man das ganze Prinzip auch sehr gut auf YouTube.

Nachdem ich genug gestaunt hatte und eigentlich auch nix spektakuläres mehr passierte, widmete ich mich meiner Lieblingsbeschäftigung: Leute beobachten. Das Besucherverhalten auf der Aussichtsplattform erinnerte mich an das morgendliche Anstehen an der Zugtür: ICH ICH ICH. Da die Plattform nicht terrassenförmig angelegt war, drängelte sich natürlich jeder nach vorn, um die besten Fotos machen zu können. Ein Ehepaar, ich vermutete aus Brasilien, fiel mir besonders auf. ER kommandierte SIE mit zackigen Anweisungen, aus welcher Perspektive ER fotografiert werden wollte. Noch schnell das Haar gelegt und das Hemd gerückt und das Motiv war im Handykasten. Hoffentlich bin ich auch drauf, hab nämlich Fotobombing gemacht! Hähä.

Im dazugehörigen Panamakanal-Museum, das die Geschichte und Technik sehr anschaulich darstellte, traf ich das Paar wieder. Jetzt hatten sie einen Guide am Wickel, der den Anweisungen des Herrschers folgen musste. Daniel erntete höchst böse Blicke, als er sich dem brasilianischen Fotokinski in den Weg stellte. Fotokinski?

Fotokinski im Profil.
Fotokinski im Profil.

Nach vier Etagen Information und mit eiskalter Nase dank Klimaanlage verliessen wir Miraflores und setzten unser Sightseeing-Programm im Parque Méditarian fort. Es ist der einzige Regenwald, der so nah an einer Stadt liegt. Wir nahmen den Weg auf den Berg, von dem aus man einen herrlichen Blick über Panama Stadt hatte. Jetzt floß der Schweiß ohne Ende! Dieser ständige Wechsel der Klimazone Tropen und Kühlschrank ging mir ganz schön auf den Organismus und beim Abstieg hatte ich Gummibeine.

Der Tag endete bei einem Abendessen auf dem nahe gelegenen Fischmarkt, wo wir eine Platte frittierten Wahnsinns bestellten, für meinen Geschmack zu viel Fritt & Fett, aber die Muscheln waren äußerst lecker. Thomas musste am selben Abend noch k….

 

Regen, Dollars, Panama

Der 10-stündige Flug mit KLM war recht angenehm. Drei Filme später, mit gefalteten Beinen und plattem Hintern, landete der Flieger in Panama Stadt. Dort warteten wir auf Thomas und Daniel, unsere Freunde, die aus Kolumbien anreisten. Diesmal hatten sie das Pech: ihr Gepäck kam nicht am Flughafen an. Das ist, aus eigener Erfahrung, ein Wahnsinns Ärger! Bei dieser feuchten Hitze braucht man natürlich keine frische Unterhose und die Zähne putzt man sich gerne mit dem Finger.

Nun lässt man sich die Laune nicht vermiesen und wir feierten erstmal unsere Ferien und freuten uns, so ein schönes Apartment in der Altstadt von Panama, Casco Viejo, beziehen zu können. Seit 20 Jahren wird hier renoviert. Die einst zerstörten Gebäude wurden und werden immer noch aufgebaut und man erkennt bereits, dass es hier in einigen Jahren wie in einem kolonialen Puppenhaus aussehen wird. Die renovierten Fassaden sind wunderschön anzusehen und der Kontrast von Alt und Neu ist total spannend. Und man erkennt, dass es noch teurer werden wird. Als verwöhnte Asien-Reisende klappt einem hier der Kiefer herunter. Die Ausflüge sind sehr teuer, das Essen im Restaurant ebenfalls. Aber wir sind ja geschickt: frühstücken im Apartment, Mittagessen im weniger romantischen Einkaufsviertel inklusive einer Crack zerstörten Alten, die Tobi das Essen und mir das Wechselgeld klauen wollte.

Ausblick vom Balkon nach links und ...
Ausblick vom Balkon nach links und …
nach rechts und ...
nach rechts und …
... nach unten ... die Polizei ist hier überall sehr präsent.
… nach unten … die Polizei ist hier überall sehr präsent.

Der Beginn der Regenzeit im Reiseführer wurde für Mai angegeben. Es schüttete am Tag einmal sehr kräftig und mehrmals so nebenbei. Einen Sonnenbrand holten wir uns dennoch und waren insgesamt am ersten Tag ziemlich platt von der feuchten Hitze und gepeinigt von den armen Wintersockenfüßen, die sich erstmal wieder an Freiheit und Zehensteg in Birkenstocks gewöhnen mussten.

Abends auf dem Balkon unseres Apartments konnte man echtes Panama Flair spüren. Aus jeder Bude schallerte der Rhythmo, die Hunde kläfften, die Frauen schwatzen. Wir planten die nächsten Tage und gönnten uns noch ein fischiges Dinner in einem coolen Pop-up Restaurant in der Altstadt.

 

Auftakt in Holland

Die Reise nach Mittelamerika startete, um ganz genau zu sein, in Utrecht. Aufgrund der frühen Abflugzeit beschlossen wir, eine Nacht vorab im Hostel zu verbringen und morgens von dort aus zu starten. Und Utrecht ist einfach total nett, quasi die kleine Schwester von Amsterdam. Den kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Food-Automaten konnte ich nicht widerstehen und dem Kauf eines neuen Jeanshemds auch nicht. Denn meines konnte ich leider nicht mehr beim Schneider abholen, der mir einen neuen Druckknopf annähen wollte. Die Öffnungszeiten auf der Severinstraße sind wirklich teilweise wie auf’m Dorf…..

Mit 13,4 Kilo ist mein Backpack um 5 Kilo leichter als auf der großen Reise. Tobi ist noch besser: 9,4 Kilo. Allerdings habe ich nun auch keine warmen Klamotten und auch keine Wanderschuhe dabei. Aber ich habe dazugelernt und nur das eingepackt, was funktioniert, praktisch ist. Also k e i n en Conditioner, haha (Insider Witz). Und fast dieselben T-Shirts und Hosen wie vor drei Jahren. Und das Jeanshemd musste auch dringend mit, eine perfekte Abwehr gegen Mücken.

So, und dann ging es endlich los, mit Frikandel im Bauch und Kribbeln im Gepäck.

 

 

Pendelfrei!

Ich kann sie nicht mehr hören, diese abgehackte Automatenstimme: “RE5 nach Wesel über Düsseldorf Hauptbahnhof hat heute leider 85.000 Minuten Verspätung! Grund dafür ist ein Störung am Gleis.”

Bei mir ist in den nächsten vier Wochen jedenfalls nichts gestört! Höchstens die Nachtruhe durch Moskitos. Denn “Nora the Explorer” ist wieder on the way!

Es geht nach: Panama! Mit Tobi und meinen beiden Freunden Thomas und Daniel. Gemeinsam werden wir das kleine Land in Mittelamerika erkunden, uns mit Avocados, Bananen, Bohnen, Fleisch, Maniok und Obst vollstopfen und den lieben Gott ne jute Mann sein lassen. Ich freue mich auf die Natur, den Panama-Kanal, feuchte Hitze, den Pazifik und die Karibik, fremde Menschen, neue Erfahrungen, Chillung und Action.

Ganz besonders freue ich mich, dass ich nun nach zwei Jahren meine “Weltreise” quasi weiterführe. Damals in Australien beschloss ich nach Neuseeland zu fliegen und dafür Mittelamerika sausen zu lassen. Eine gute Entscheidung, jetzt aber hole ich es nach.

Am 2. Mai geht es los! Nach Amsterdam – mit dem Zug! AAAAAAAAH!

PS: Die Maus wird diesmal leider Zuhause bleiben. Oooooooow! Aber ich habe ja jetzt gleich drei Knuddeltiere bei mir.

 

IMG_3276

Insel Aka: endlich Sonnenbrand!

Urlaub vom Urlaub — was so dekadent klingt war aber auch fällig. Eine Woche lang japanisches Südseefeeling auf einer 3,8 Quadratkilometer kleinen Insel im Ostchinesischen Meer. Mit Jet Star flogen wir zunächst auf die Hauptinsel Okinawa und trafen im Flieger doch tatsächlich unseren Air BnB Host von Osaka wieder, der uns abends mit zu einem kleinen Sit-in nahm. Und zwar in DER Bar der Stadt, the place to be. Auch die It boys der japanischen Gay Szene (!!!) tauchten hier auf. Inseln haben nach wie vor doch immer irgendwie etwas “Freies”. Großer Spaß! Leider mussten wir am nächsten Tag früh raus, sonst wäre die Nacht sicher noch ganz ganz lang geworden.

Kanpai Nummer zwei, zum Glück hab ich keinen Sake getrunken!
Kanpai Nummer zwei, zum Glück hab ich keinen Sake getrunken!

Das Schnellboot brauchte nur eine Stunde bis zum Inselchen. Leider regnete es in Strömen und zwar einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang. Die Zimmer waren sehr klein und es gab keinen Aufenthaltsraum, weil alles auf “Sonne” ausgerichtet war. Abends aß ich brav alles auf und futterte sogar noch den Tofu der anderen Gäste, damit auch ja die Sonne scheint. Tat sie dann auch und vor lauter Hunger nach UVA und UVB holten wir uns einen richtig fiesen Sonnenbrand an Füßen, Bauch, Hals, Arme, Achseln und Stirn. Tat auch richtig weh!

Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das Inselchen dann als Betonwüste mit Schrottplatzfunktion. Doch dazu muss ich sagen, dass die Japaner sehr vielen Naturkatastrophen ausgesetzt sind, wie die schweren Erdbeben in Kuyshu im Süden Japans unlängst zeigten. Daher wird auf Aka alles in Zement gegossen, um den Taifunen im Sommer zu strotzen. Das können hübsche kleine Holzhäuschen wie in Thailand leider nunmal nicht. Hinzu kommt das Salzwasser in der Luft, was Autos nach sechs Jahren schrottreif zerfrisst und alles andere fein säuberlich zersetzt. Häßlich sieht es leider trotzdem aus. Außerdem war irgendwie alles geschlossen und es gab auch kein Strandcafé oder so, da April noch zur Vorsaison zählt.

Rostlaube.
Rostlaube.
Der idyllische Hafen.
Der idyllische Hafen.

Abends konnte man schlafen. Oder sich mit den anderen Gästen unterhalten und Bier trinken, was nach ein paar Tagen dann auch langweilig wurde. Kurzum: Nori brauchte Äktnsch. Schnorcheln! Nach Fiji ist so ziemlich jedes andere Riff nur noch C-Ware. Wandern! Wir hatten nahezu jeden Viewpoint bereits abgelaufen. Ausflug! Oja! Mit dem Boot rüber nach Zamami, es gab ein geöffnetes (!) Café und alles sah etwas netter aus. Am Strand bin ich dann doch wieder eingeschlafen. War wohl schon genug Action.

Das Kyoto Protokoll

Nur knapp 45 Minuten mit dem Zug von Osaka entfernt liegt Kyoto, die Wiege der japanischen Kultur. Die Stadt lockt mit Tempeln, alten Häusern, Schreinen, Kirschblüten, Zen-Gärten und Geisha Charme.

Unsere Air BnB Unterkunft hatte (von außen) schon mal den Charme eines Asylantenheims. Mitten im schlimmsten Regen rollten wir unsere Koffer an und verbrachten den ganzen Tag auf Stube, da ein Schritt vor die Türe kaum möglich war. Da aber irgendwann der Hunger nagte, wagten wir uns vor und nahmen eine was wohl? Nudelsuppe ein, am Bahnhof. Lecker und billig.

Nummer 305.
Nummer 305.
Umgebung.
Umgebung.

Am nächsten Morgen klingelten die Zeugen Jehowas an der Türe und wollten meine Telefonnummer haben! Kein Scherz — zum Glück verwechselten sie uns mit einem anderen Menschen aus England.

Dies ist der Beweis!
Dies ist der Beweis!

Die nächsten, von Sonne und blauem Himmel verwöhnten Tage, gaben wir uns also den kulturellen Attraktionen der Stadt hin. Kyoto gefällt uns Europäern wohl daher sehr gut, weil alles kleiner ist, übersichtlicher, “netter”. Auf dem sogenannten “Philosophenpfad” tummelten sich dann auch dreitausend Touristen, im ZenGarten viertausend, auf dem Weg zum Tempel gefühlte fünftausend und am berühmten Inari Schrein mit den roten Toren drei Millionen. Übertrieben, denn es verlief sich gut.

Tobi kaufte japanische Singles bei einer Omi an der Ecke für 90 Cent das Stück und streichelte MEINEN heiß geliebten Hachiko, der mit im Zimmer saß! Ich dumme Kuh war indes schon vorgelaufen, weil ich keine Lust auf Platten wälzen hatte. Mist!

Tobis Geburtstag verbrachten wir entspannt. Den Geburtstagskaffee gab es bei “Laden”, ein Café, das uns Atiko aus Kanazawa empfohlen hatte, und wo es selbst aufgebrühten Kaffee und unglaublich leckeres Backwerk gab. Abends saßen wir ganz localike am Kanal, tranken Bier und gönnten uns einen feinen Restaurantbesuch mit Shabu Shabu und Sake. Den Absacker nahmen wir im Park ein, wo Hunderte von jungen Leuten unter Kirschbäumen saßen.

Kyoto hat auch in Sachen Kunst einiges zu bieten und so gaben wir uns das MOMAK, das wirklich ansprechende Arbeiten beherbergt. Am besten gefallen hat mir die Fotoreihe “Happy victims” von Kyoichi Tsuzuki (http://www.mudam.lu/de/le-musee/la-collection/details/artist/kyoichi-tsuzuki/). Porträtiert werden hier Menschen aus Japan, die bestimmten Modelabels verfallen sind. Authentisch!

Ich bin zwar nicht verfallen, wollte aber auch mal durch die Vintage Shops stöbern, während Tobi…jawohl, im Plattenladen wühlte. Von “Three Stars” war ich total begeistert, so ein toller Laden. Und was sprang mir entgegen? Ein brauner Burberry Trenchcoat aus Seide für 80 €. Oh weia! Kaufen oder kaufen? Nicht kaufen, stand mir nicht. Mist!

Ach so, im Supermarkt hab ich dann doch das Klischee der japanischen Schlüpfergucker bestätigt bekommen:

Deckel hoch, Wasser kocht, hihi...
Deckel hoch, Wasser kocht, hihi…