Eine Wohnung in San Juan

Reiseführer sind nicht mein Ding. Gerade der Lonley Planet macht mich wahnsinnig. Keine Bilder, alles auf Englisch (schäime on mi), teilweise veraltet, da ich die Bücher meistens aus dem Büchertausch Regal in den Hostels mitnehme. Mund-zu-Mund Empfehlungen sind mir am liebsten. Und so folgte ich Collin’s Tipp auf die Insel Siquijor zu fahren und in “Lorna’s end of the world” im Ort San Juan abzusteigen. Die Geschichte mit dem frechen Tricycle Fahrer lasse ich jetzt mal weg.

Ich bekam eine möblierte Wohnung mit Küche, Diele, Bad! Balkon mit Aussicht auf das Meer! In Köln für 500 EUR kalt, in San Juan für nur 500 Peso*, Heizung nicht nötig. Den täglichen Stromausfall am Abend für zwei Stunden akzeptierte ich unaufgeregt. Ich fand es super, konnte ich mir mein Frühstück selbst zubereiten, Getränke kalt stellen und abends Gemüsepfanne kochen. Gemüse kam bisher ein bisschen kurz, denn vom Streetfood Angebot konnte ich nur BBQ Chicken mit Reis wählen. Bei allem anderen schlug mein Bauchsignal Alarm.

Die Philippina Lorna (35) und ihr Mann, der 85-jährige Herb aus Amerika, gründeten dieses Guesthouse, das vor zwei Jahren leider abbrannte. Jemand liess den Ventilator unbeaufsichtigt laufen…. Daher strahlte es nun den angesagten DIY Charme aus.

Mein Nachbar aus Schweden, Magnus, ist auf die Philippinen ausgewandert. “This island is so beautiful. Everything is better than Europe!” Probleme mit den Philippinas hat er trotzdem. Eine ist schwanger, die andere macht Stress. Im Ort wird er als chic-boy bezeichnet. Einer, der mit mehreren…man versteht. Auch in San Juan wird getratscht. Magnus baut ein Hostel. An einem Abend quatschten wir bis spät. Ich wünschte ihm von Herzen alles Gute.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass männliche Westler ganz oben auf der Wunschliste einer Philippina stehen. Und ich sah auch nur -meistens- dickbäuchige Typen mit einer zierlichen Dame. Die Geburtenrate ist aufgrund des strengen christlichen Glaubens sehr hoch. Und sehr unmodern … Auch Tampons kennen die Mädels nicht einmal und werden auch im Supermarkt nicht angeboten.

Ich machte mir schöne Tage, kaufte auf dem Markt ein, schnackte mit meiner Gastfamilie (mehrere Nichten und Kinder) und verschenkte goldene Abziehtattoos, die die Kleinen mit Stolz am nächsten Tag in der Schule vorführten. Mit dem Motorbike erkundete ich die Insel. Am Paliton Beach wollte ich schnorcheln und hing mit zwei Locals ab (16 und 20 Jahre alt). Sie paddelten mich auf’s Meer hinaus, damit ich schnorcheln konnte. Der Jüngere kletterte auf eine Palme und schlug mir eine Coconut auf. Zum Abschied drückte ich beide. Ich hatte sie gern.

So blieb ich eine ganze Woche auf der Insel und verlängerte um einen Tag, da Freitag Abend eine Party angesagt war. Magnus konnte leider nicht mitkommen. Er musste zu seiner wütenden Freundin. So ging ich also alleine auf die Fete und traf die Bartender wieder und Jojo vom BBQ Imbiss “Black Belly”. Nora voll schon local!

Es war grossartig! Live Band mit super Musik. Die Locals tanzten und feierten. Ich tanzte bis halb drei und war eine der letzten.

Am letzten Tag lernte ich noch André aus Ostdeutschland kennen. Sein Akzent kam beim Englisch sprechen herrlich durch. Auch er ist mit einer Philippina verheiratet und muss nun aber mit Frau und Kind nach Deutschland zurück, da er kein Geld mehr hat und auch keines, um ein Business zu gründen. Herzzerreissend. Sie war sehr schüchtern und ich malte mir ihren Start in Deutschland als Katastrophe aus. Beim Ortsnamen “Bischofswerda” konnte ich mir eine Ausländerfreundliche Integration auch erstmal nicht vorstellen. Ich hoffe, ich täusche mich. Ausserdem, so André, wird es im Winter dort scheisse kalt und die beiden kennen nur 25 Grad plus. Ich schenkte ihr meinen Hoodie.

* macht 300 EUR/mtl.

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