Das Kyoto Protokoll

Nur knapp 45 Minuten mit dem Zug von Osaka entfernt liegt Kyoto, die Wiege der japanischen Kultur. Die Stadt lockt mit Tempeln, alten Häusern, Schreinen, Kirschblüten, Zen-Gärten und Geisha Charme.

Unsere Air BnB Unterkunft hatte (von außen) schon mal den Charme eines Asylantenheims. Mitten im schlimmsten Regen rollten wir unsere Koffer an und verbrachten den ganzen Tag auf Stube, da ein Schritt vor die Türe kaum möglich war. Da aber irgendwann der Hunger nagte, wagten wir uns vor und nahmen eine was wohl? Nudelsuppe ein, am Bahnhof. Lecker und billig.

Nummer 305.
Nummer 305.
Umgebung.
Umgebung.

Am nächsten Morgen klingelten die Zeugen Jehowas an der Türe und wollten meine Telefonnummer haben! Kein Scherz — zum Glück verwechselten sie uns mit einem anderen Menschen aus England.

Dies ist der Beweis!
Dies ist der Beweis!

Die nächsten, von Sonne und blauem Himmel verwöhnten Tage, gaben wir uns also den kulturellen Attraktionen der Stadt hin. Kyoto gefällt uns Europäern wohl daher sehr gut, weil alles kleiner ist, übersichtlicher, “netter”. Auf dem sogenannten “Philosophenpfad” tummelten sich dann auch dreitausend Touristen, im ZenGarten viertausend, auf dem Weg zum Tempel gefühlte fünftausend und am berühmten Inari Schrein mit den roten Toren drei Millionen. Übertrieben, denn es verlief sich gut.

Tobi kaufte japanische Singles bei einer Omi an der Ecke für 90 Cent das Stück und streichelte MEINEN heiß geliebten Hachiko, der mit im Zimmer saß! Ich dumme Kuh war indes schon vorgelaufen, weil ich keine Lust auf Platten wälzen hatte. Mist!

Tobis Geburtstag verbrachten wir entspannt. Den Geburtstagskaffee gab es bei “Laden”, ein Café, das uns Atiko aus Kanazawa empfohlen hatte, und wo es selbst aufgebrühten Kaffee und unglaublich leckeres Backwerk gab. Abends saßen wir ganz localike am Kanal, tranken Bier und gönnten uns einen feinen Restaurantbesuch mit Shabu Shabu und Sake. Den Absacker nahmen wir im Park ein, wo Hunderte von jungen Leuten unter Kirschbäumen saßen.

Kyoto hat auch in Sachen Kunst einiges zu bieten und so gaben wir uns das MOMAK, das wirklich ansprechende Arbeiten beherbergt. Am besten gefallen hat mir die Fotoreihe “Happy victims” von Kyoichi Tsuzuki (http://www.mudam.lu/de/le-musee/la-collection/details/artist/kyoichi-tsuzuki/). Porträtiert werden hier Menschen aus Japan, die bestimmten Modelabels verfallen sind. Authentisch!

Ich bin zwar nicht verfallen, wollte aber auch mal durch die Vintage Shops stöbern, während Tobi…jawohl, im Plattenladen wühlte. Von “Three Stars” war ich total begeistert, so ein toller Laden. Und was sprang mir entgegen? Ein brauner Burberry Trenchcoat aus Seide für 80 €. Oh weia! Kaufen oder kaufen? Nicht kaufen, stand mir nicht. Mist!

Ach so, im Supermarkt hab ich dann doch das Klischee der japanischen Schlüpfergucker bestätigt bekommen:

Deckel hoch, Wasser kocht, hihi...
Deckel hoch, Wasser kocht, hihi…

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