Category Archives: Kambodscha

Staubig, vermüllt, liebenswert.

Es folgen Strassen-Impressionen eines Landes aus dem Bus heraus fotografiert. Das Land hat ein riesen riesen Müllproblem, mehr als alle anderen Länder in Asien, so hatte ich das Gefühl. Die Strassen, abseits der grossen Hauptstrassen, sind unfassbar staubig und zusammen mit den Abgasen ergibt das einen besorgniserregenden toxischen Mix.

Dennoch, wie schon erwähnt, hat mich dieses Land emotional sehr berührt. Angkor Wat, der Krieg, die vielen Invaliden/Minenopfer … Das gescholtene Land – und es wird nicht besser. Die Chinesen kaufen Land auf, in Phnom Penh fuhren mehr Range Rover auf den Strassen als ich je gesehen habe (Arm/Reich Schere) die Korruption blüht, die Eintrittsgelder von Angkor Wat fliessen in die Taschen der Vietnamesen, Prostitution und Kindesmissbrauch.

Auf Wiedersehen, Kambodscha. Für mich geht es in ein Land, auf das du leider auch nicht so gut zu sprechen bist: Thailand. Was ich dort machen werde? Urlaub!

Phnom Penh und die grausame Geschichte Kambodschas

In der Hauptstadt von Kambodscha verbrachten wir am Ende der Rundreise vier Tage, um in die frühe Geschichte des Landes einzutauchen: die Kriegsherrschaft der Roten Khmer und die schrecklichen Verbrechen, die sie dem eigenen Volke angetan haben. In den siebziger Jahren, unter dem Kommunisten Paul Pot, wurde der Bauernstaat ausgerufen und die Bewohner der Städte, Ärzte, Juristen, Lehrer, Literaten und alle, die nur eine Brille trugen oder in irgendeiner Form Intelligenz ausdrückten, wurden deportiert, verhört und auf grausamste Weise hingerichtet. Der Besuch eines der “Killing Fields” hatte etwas sehr sehr beklemmendes. Es handelt sich dabei um die Massengräber, die überall im Land verteilt sind. In der Nähe von Phnom Penh wurde eines für Besucherzwecke aufbereitet.

Die Menschen wurden nach monatelanger Arbeit in den Reisfeldern ohne ausreichend Nahrung mit primitiven Waffen (Beil, Axt, Bambusstock etc.) ermordet. Auf dem Feld sah man noch Knochen liegen, Stoffreste von Kleidungsstücken ragten aus der Erde heraus – und zwar auf den Wegen, die man entlang ging! Diese Überreste kommen nach und nach zum Vorschein und werden zweimal im Monat eingesammelt. Mir wurde regelrecht übel, als ich beinahe auf eines dieser Kleidungsfetzen trat und noch mehr als ich sah, dass andere Besucher, ohne es zu wissen, drüberlatschten. Babys wurden an einem Baum einfach zerschmettert und ihre Mütter mussten dabei zusehen …

In der Innenstadt besuchten wir hiernach noch das Gefängnis, eine ehemalige Schule, in der die “Intellektuellen” des Landes verhört und gefoltert wurden. Man durchlief die Räume, die Zellen, auf dem Innenhof sah man noch den Galgen. Ich konnte einfach nichts anfassen, denn von den Mauern hallte in meinen Ohren noch das Leid und die Qual der Gefangenen wider.

Am Ausgang saß einer der Überlebenden aus diesem Gefängnis. Er wurde mit sechs anderen Menschen gerettet. Erst gingen wir an ihm vorbei, aber dann machte ich kehrt, ging zu ihm, nahm seine Hände und fing fast an zu weinen.

Danach war der Tag gelaufen.

An den anderen Tagen gab es zum Glück ein leichter verdauliches Kulturprogramm.

Sihanoukville: das Seebad der Lustgreise

Kambodscha verfügt über eine sehr schöne Küste mit tollen Stränden. Jetzt, da das Wetter so prima ist, hatte ich wieder Lust auf Beach-Life. Von Battambang und einem kurzen Stopover in Phnom Penh ging es mit dem Bus nach Sihanoukville.

Ein grosses Abenteuer ist nach wie vor nichts zu buchen, sondern vor Ort eine Unterkunft zu suchen. Ich mag das nicht so richtig, weil es nervend ist. Bekommt man etwas Schönes für wenig Geld? Oder ist alles ausgebucht? Wie lange muss ich dann jetzt hier rumgurken? Bescheisst einen wieder der Tuk Tuk Fahrer?

So landeten wir im GBT 1, das erste Guesthouse am Platze unter kambodschanischer Leitung, direkt in Strandnähe an einer Strasse. Uncharmanter Empfang, 150 Betten, schmuddelige Ecken aber ein sauberes, grosses, ruhig gelegenes Zimmer zu einem fairen Preis. Eigentlich wollten wir zum nicht so überlaufenden Otres Beach, aber ein bisschen Szene reizte mich auch mal wieder.

Denn am Beach gab es zahlreiche Restaurants, Bars und Shops sowie zahlreiche Händler für Obst, Sonnenbrillen, Massage und Maniküre. Ein Mädchen wollte mir Armbänder verkaufen. Als ich verneinte, da ich schon so viele Armbänder habe, meinte sie zu mir in einem breiten Englisch: “Yeees, same same but bedder.” Ah, wohl einige Amis hier im Städtle, was?

So war es. Das vorwiegend aus älteren Herren bestehende Publikum, teilweise mit Bierbauch, teilweise recht solide, kam aus Übersee. Wir vermuteten darunter auch ehemalige Veteranen aus dem Vietnäm-Krieg. Dies wurde bestätigt. Und all diese Herren waren auf der Suche nach etwas Exotischem, Anschmiegsamem. Fast jeder Zweite präsentierte sich mit einer Kambodschanerin im Arm an. Es gab eine Bar am Strand, in der sich abends die Szene traf und blutjunge Mädchen mit fratzenartig geschminkten Gesichtern auf die Lustgreise warteten. Keine Ahnung, ob es Prostituierte waren oder Frauen auf der Suche nach dem reichen Ausländer. Es schockierte mich. Auch junge Typen waren dabei, die sich hier ein Mädel aufreissen. Das zweite Pattaya. Abstossend, traurig, aber eine Realität des Landes. Wie auch die Tatsache, dass viele Pädophile ins Land kommen. An jedem Guesthouse ist ein Hinweis angeschlagen, dass Besuch unter 18 verboten ist und Pädophilie unter Strafe steht. Mein Blick schärfte sich und am Strand fiel mir schon das ein oder andere ungleiche “Paar” auf, wo ich mich fragte, ob sie bereits volljährig ist.

PS: in Sin City war eine Ratte im Zimmer und hat an der Medikamententasche geknabbert. Die Security fand aber keine, vielleicht floh sie durch den Abfluss. Ich konnte weiterschlafen, träumte allerdings von einem Einbruch in den Bungalow.

Gut, dass es tags darauf ab auf die Insel ging: Koh Thmei.

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When the dark night rises: Batman in Battambang

Abseits der grossen Touristenattraktionen kann man in Kambodscha sehr günstig unterkommen. Für die unschlagbarsten vier Dollar pro Nacht übernachteten wir in einem (sehr) kleinen Zimmer in Blümchendekoration mit einem eigenen (sehr) kleinen Bad und kaltem Wasser. Und das war völlig OK. Das “Tomato” Guesthouse ist ein Familienbetrieb. Schwester, Schwager und Onkel sind eingebunden und die kleinen, süssen Kinder rennen überall herum und lernen erste englische Vokabeln anhand der Speisekarte.

Sweeeet!
Sweeeet!

Eine der Sehenswürdigkeiten des Ortes ist eine Art personenangetriebener Zug aus Bambus, der sogenannte Bamboo Trail. Da sitzt man auf einer Plattform aus Bambusstäben und der Steuermann treibt per Hand den Zug an. So fährt man dann lustig durch die Landschaft und kann in “Kontakt” mit Dorfbewohnern kommen. Abgelehnt!

Die reizvolleren Attraktionen waren indes der Besuch eines Berges mit chinesischen und buddhistischen Pagoden, einer super Aussicht, die Killing Caves sowie eine Höhle mit Fledermäusen. Gebucht!

Mit dem Tuk Tuk ging es eine halbe Stunde lang raus aus der Stadt bis zum 70 Meter hohen Berg “Phnom Sampeu”. Per Pedes ganz aktiv rauf auf den Berg (Geld sparen, Moto kostete) und endlich hatten wir eine super view über die ganze Ebene der Region mit ihren unzähligen Reisfeldern. So schön! Dazu ein kambodschanischer Snack in Form einer frittierten Grille. Das zweite gegessene Insekt meines Lebens. Zur Neutralisierung danach schnell ein Eis.

And sour!
And sour!

Von den Pagoden führte eine lange Treppen hinab zu den Killing Caves. Diese wurden einst als Theater genutzt, in Kriegszeiten unten den Roten Khmer jedoch wurden hier Menschen verhört und gefangen gehalten, die Opfer durch ein Loch in die Tiefe gestürzt. Beklemmend!

Pünktlich zum Sonnenuntergang dann ein Naturschauspiel sondergleichen. Aus einer hoch im Berg liegenden Höhle flogen nahezu sechs Millionen Fledermäuse heraus. Ein nicht endender Strom schwarzer, piepsender Bats. Eine halbe Stunde lang flogen sie in Schwärmen aus und zogen über die Reisefelder. Dabei sahen sie aus wie ein tanzender Drachen. Ich war zutiefst angetan. Auf die Frage, ob das für ihn immer noch so faszinierend sei wie für uns antwortete der Tuk Tuk Fahrer: “When I am here and see this, I have customer. This is good!”

Amazing Angkor!

Das kann ich garnicht alles beschreiben … Angkor Wat ist einfach überwältigend. Die Historie des Khmer Reiches wird hier gänsehautmässig spürbar, die Tempelbauten sind teilweise so gut erhalten, teilweise aber auch so beeindruckend zerstört und von der Natur zurückerobert. Zu Recht ist dies ein Weltkulturerbe. Ich hatte die kleine Tempelroute gebucht (8 Stunden) und war danach erledigt. So viel Input, so viele “Emotions”. Mein Tipp: am Abend vorher noch eine arte Doku über den Untergang Angkors anschauen, dann wird es so richtig gut!

Und sonst so in Siem Reap? Alles kostet “one dollar”, es ist viel los, überall gibt es die gleichen Klamotten zu kaufen und alles ist eigentlich nur auf Angkor ausgerichtet. Dank des kleinen aber feinen Hotelpools, ging es am letzten Tag dann noch sehr chillig zu – gekrönt von einer traditionellen Tanzshow und einem grandiosen Buffet, was ich nicht für möglich gehalten hätte! All you can eat deluxe, für 12 USD.