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The big J

Viel gesehen habe ich nicht von Indonesiens Megacity und versicherte mich auch stets bei den anderen Backpackern im Hostel, dass es auch wirklich nichts interessantes zu sehen gibt! Wichtig! Denn ich möchte ja nicht als Kulturbanause gelten. Es interessierte mich auch viel mehr das Leben und Arbeiten der beiden Twin-Sisters, die das Hostel “Six degrees” betreiben. Wati, verheiratet mit John aus Irland und Nygi (Namen von der Redaktion nicht mehr ganz präsent) verheiratet mit Ian aus England. Eine explosive Mischung! Alle vier waren ihre besten Kunden abends an der Bar, hicks, und es war lustig, ihnen dabei zuzuschauen und mitzuwirken. Die beiden Girls scheren sich nicht um ihre Religion, sind weltoffen und liebenswert. An einem meiner drei Abende im Hostel gesellten wir uns mit einigen anderen Gästen auf der Dachterrasse, quatschten und tranken Dosenbier. Schick: Wati zerknüllte die Dosen nach Leerung, so hab ich das noch nie bei nem deutschen Mädel gesehen, cool! Ich gab die DJane und spielte den Soft House Mix, der auf grosses Interesse stiess und ich Germany als Country mit super Musikgeschmack repräsentierte. Na das ist doch mal was!
Das ganze Spektakel ging bis tief in die Nacht und flaute ab, als der Texaner meine Spotify App benutzte, um heimatverliebte Country Music zu spielen, die keiner hören wollte.
Am nächsten Tag hatte ich – jawohl – Kopfschmerzen. Die mussten erstmal mit einem formidablen Dinner in Jakartas ältestem und wohl schönsten Restaurant weggegessen werden (Lara Djonggrang). Ich war tief beeindruckt von der Dekoration des Restaurants und auch das Essen war einfach fantastisch, selbst der Reis, schön in Shape drappiert, war unglaublich aromatisch.

Ach so, an einem Nachmittag habe ich einen Localmarket besucht und mir die Fashion-Stores angesehen (unglaublich hässlich das ganze Zeug) und sehr köstliches Tofu mit unfassbar köstlicher Sosse genossen. Zu meiner Freude gab es toll gefälschte Birkenstocks, hier gebrandet als “Boken”. Und: viel gemütlicher als die Originale, also rein in die Tüte.

Mit dem Motorbike Taxi ging es zurück, an diversen Kreiverkehren mit Statuen und Monumenten und Palästen vorbei – so hab ich das Sightseeing in einem Rutsch erledigt. German efficiency.

Tanz auf dem Vulkan: Java

Ich beschloss also, auch die indonesische Nachbarinsel von Sumatra zu besuchen und flog, auf den Spuren meiner Angetrauten Claire, von Padang über Jakarta nach Yogyakarta. In einem kleinen Losmen (= Pension) trafen wir uns wieder und erkundeten gemeinsam die Stadt. Sie hatte bereits Bekanntschaft mit Christian (ca. 60 Jahre alt) gemacht, ein Langzeitreisender aus Frankreich, der auf Bali Klamotten fertigen lässt und diese in Frankreich verkauft. Mit ihm und einem Local, der einen kleinen Accessoires-Shop im Viertel betreibt, machten wir uns einen netten Abend, der auf dem Boden vor einem 24-Stunden Supermarkt endete, wo wir zu später Stunde noch Pommes mit Chili-Sosse und Saté-Spiesse verspeisten. Am nächsten Tag hatte ich Kopfschmerzen. Bintang sei Dank.

Auf dem Plan stand natürlich eine Fahrt zum beeindruckenden buddhistischen Tempel “Borobodur”. Auch hier wurde ich von interessierten Studenten fotografiert, die mich wohl genauso spannend fanden wie den Tempel. Irgendwie verlor ich Claire auf dem Areal und schnappte mir das Megaphon der Security und rief sie aus: “Claire, Claire, I am waiting at the exit! Claire, please come to the exit.” Brüller!

Den Abend zelebrierten wir mit einem vorgezogenen X-Mas-Dinner: Kürbiskernsuppe mit Bacon und Croutons sowie Ente mit Kartoffelgratin. Danach konnte ich mich nicht mehr bewegen – mein Magen ist aktuell eher auf Reis und Chicken statt Kartoffeln in Sahnesosse eingestellt.

Am nächsten Morgen ging es dann auf zum Vulkan Bromo. Wir buchten eine Tour und machten es uns im Minibus für die 12 Stunden Anreise “gemütlich”. Nach etwa drei Stunden Schlaf im letzten Dorf vor dem Vulkan standen wir um 3 Uhr morgens auf, um für den Sonnenaufgang parat zu sein. Mit einem Jeep ging es noch eine Stunde bergauf, zusammen mit etwa 100 anderen Fahrzeugen: Sunrise Safari. Der Ausblick war grandios, auch wenn asiatische Selfie-Shooter teilweise die Stimmung beeinträchtigten. Zurück im “Hotel” gab es noch ein Toast und ein Ei zum Frühstück, dann weiter zum Vulkankrater Ijen, wo Schwefel abgebaut wird.

In Pobolinggo, dem Hauptsitz der Tourgesellschaft, mussten wir den Bus wechseln. Hier wurde mir mein iPhone geklaut. Die Geschichte ist lang und nervenaufreibend und ich heulte rum und konnte es nicht fassen. Auf der Polizeistation bekam ich einen Wisch für die Versicherung. Dankeschön!
Frustriert, sauer und durcheinander wollte ich die ganze Scheisstour abbrechen und direkt nach Jakarta fliegen, aber Claire hielt mich davon ab und so setzte ich die ja bereits bezahlte Tour fort. Ohne iPhone.

Nun denn: im Krater Ijen kann man vor Sonnenaufgang das blaue Feuer bestaunen, wenn das austretende Gas entzündet wird. Was tut man nicht alles für den Sonnenaufgang. Schlaf: 2 Stunden, Aufstieg: 2 Stunden (sehr sehr steil), Abstieg in den Krater: 1 Stunde. Aber dann: eine nahezu unwirkliche Kulisse. Gelbes Schwefelgestein, blaues Feuer, ein giftiger grüner See.

Für den Rückweg plante ich einen Flug (bloss kein Bus mehr) von Subaraya zurück nach Jakarta, von wo aus mein Flug nach Vietnam gehen sollte. Auf der Rückfahrt setzten wir zunächst die Teilnehmer an der Fähre ab, die rüber nach Bali schipperten. Das waren alle, ausser mir. Ich musste in Pobolinggo nochmal den Bus wechseln und mir wurde der Hof gemacht. Es gab ein kostenloses Mittagessen, Tee und man buchte mir das Ticket nach Jakarta (das bezahlte ich natürlich). Hatte da jemand etwas gut zu machen? Schlechtes Gewissen? Ich vermutete, dass da alle unter einer Decke steckten, aber ich konnte nichts beweisen und eine Aufklärung auf indonesische Art (Schlägertrupp, burning down the house) wollte ich nicht in Erwägung ziehen. Nicht mein Niveau.

Nach 24 Stunden on the road and in the sky erreichte ich mein Hostel in Jakarta und gönnte mir am nächsten Tag erstmal sechs Stunden Day-Spa (Hallooooo, mit Dornbracht Armaturen!) inklusive Massage, Face-Treatment, Pediküre und Body-Massage. Und ‘ne Pizza! Da war das Seelenleben wieder hergestellt. Im Hostel waren nette Leute, die zwei Geschäftsführerinnen großartig und so ging mein Besuch auf Java doch noch sehr schön zu Ende.