Oslob: Walhaie und Kölsche Tön

Nach Apo Island und den riesigen Schildkröten ging es nun zu riesigen Walhaien auf der Insel Cebu.

Ich liebe es! Dort traf ich schon wieder Menschen aus Köln, dieses Mal eine Familie mit zwei Teenagern aus der Nähe von Euskirchen. Herrlich, die kölsche Melodie in meinen Ohren. Ich lernte sie im Guesthouse der liebenswerten Frau Reich kennen. Die philippinische Dame des Hauses, verheiratet mit dem immerzu rauchenden und daher schon Schnauz vergilbten Wolfgang Reich, lebte 28 Jahre in Hanau und konnte sehr gut Deutsch sprechen. Ich schlief bei ihnen im Wohnzimmer für sechs Euro weil die “richtigen” Zimmer zu teuer für mich alleine waren.

Die Kölner nahmen mich in ihrem Auto mit zum Whaleshark watching und auch zum wunderschönen Wasserfall. So verbrachten wir einen geselligen, kölschen Nachmittag. Vater Marius fasste beim Schnorcheln den Hai an und wurde ermahnt. Ich auch. Zwar war die ganze Veranstaltung mega touristisch und die Tiere wurden mit Shrimps angelockt. Aber es war unfassbar beeindruckend, neben, über und vor einem 15 Meter langen Hai zu schwimmen.

Meine Reise führte eine Nacht später zurück nach Cebu City, um dann auf die Schönste aller Inseln zu fliegen: nach Palawan.

Schluck!
Schluck!
Komm zu Mami!
Komm zu Mami!
Ich seh zwar aus wie eine Robbe, bin aber total unlecker!
Ich seh zwar aus wie eine Robbe, bin aber total unlecker!
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Ein Tag im Shoppingcenter

Es war nicht zu glauben. Meine Fuji x10 Kamera gab den Geist auf. Das Objektiv liess sich nicht mehr drehen und somit die Kamera nicht mehr einschalten. Musste ich also mal wieder ins Cebu Shoppingcenter, HACH, neue Kamera kaufen, was mir budgettechnisch widerstrebte. Aber ich konnte nicht ohne Fotoapparat weiterreisen! Und da es regnete, blieb ich halt den ganzen Tag da!

Aber: ich sah mir diesmal auch etwas an und zwar die Skyline bei Nacht.

Ninja Turtle Power auf Apo Island

Meine Schnorchelausrüstung musste sich amortisieren und auf Apo Island kann man mit Riesenschildkroeten schwimmen.

Am Hafen von Siquijor traf ich Dylon (Irland) und Luis (Spanien) wieder, die ich abends zuvor auf der Party kennengelernte. Sie fanden meinen Plan super und folgten mir nach Apo Island. Mouth-to-Mouth. Reiseführer sind definitiv out!

Im Restaurant des Guesthouses “Liberty Lodge” traf ich Sarah (Australien) wieder, die ich nun bereits in Cebu City, auf Siquijor und nun hier antraf. Zu viert hatten wir einen schönen Abend mit Erzählungen von unseren Reisen und einen schwitzigen Tag am Strand.

Die Schildkröten waren wirklich sehr beeindruckend und das Korallenriff wunderschön. Leider verleideten mir die Quallen ein ausgedehnteres Schnorcheln. Eine Wasserschlange jagte mir Angst ein.

Money war auch hier sehr angesagt.

Als ich noch auf Siquijor war, lernte ich übrigens Rudi (Belgien) kennen, der dort ein kleines hübsches Resort betreibt. Er hielt einen zweistündigen Monolog, rauchte dabei etwa fünfzehn Zigaretten und gewährte mir ein Einblicke in die philippinischen Verhaltensweisen und Ansichten. Seitdem verstehe ich diese Menschen auch etwas besser. Gefällt mir leider immer noch nicht (Stichwort Abzocke und Geldautomat auf zwei Beinen).

Nach zwei Nächten verliess ich zusammen mit Dylan die Insel Apo. Nach einer schlaflosen Nacht (heiss und Gewitter) machte ich mich auf den Weg nach Oslob, also zurück auf die Insel Cebu. Dort kann man mit Walhaien schnorcheln!

Eine Wohnung in San Juan

Reiseführer sind nicht mein Ding. Gerade der Lonley Planet macht mich wahnsinnig. Keine Bilder, alles auf Englisch (schäime on mi), teilweise veraltet, da ich die Bücher meistens aus dem Büchertausch Regal in den Hostels mitnehme. Mund-zu-Mund Empfehlungen sind mir am liebsten. Und so folgte ich Collin’s Tipp auf die Insel Siquijor zu fahren und in “Lorna’s end of the world” im Ort San Juan abzusteigen. Die Geschichte mit dem frechen Tricycle Fahrer lasse ich jetzt mal weg.

Ich bekam eine möblierte Wohnung mit Küche, Diele, Bad! Balkon mit Aussicht auf das Meer! In Köln für 500 EUR kalt, in San Juan für nur 500 Peso*, Heizung nicht nötig. Den täglichen Stromausfall am Abend für zwei Stunden akzeptierte ich unaufgeregt. Ich fand es super, konnte ich mir mein Frühstück selbst zubereiten, Getränke kalt stellen und abends Gemüsepfanne kochen. Gemüse kam bisher ein bisschen kurz, denn vom Streetfood Angebot konnte ich nur BBQ Chicken mit Reis wählen. Bei allem anderen schlug mein Bauchsignal Alarm.

Die Philippina Lorna (35) und ihr Mann, der 85-jährige Herb aus Amerika, gründeten dieses Guesthouse, das vor zwei Jahren leider abbrannte. Jemand liess den Ventilator unbeaufsichtigt laufen…. Daher strahlte es nun den angesagten DIY Charme aus.

Mein Nachbar aus Schweden, Magnus, ist auf die Philippinen ausgewandert. “This island is so beautiful. Everything is better than Europe!” Probleme mit den Philippinas hat er trotzdem. Eine ist schwanger, die andere macht Stress. Im Ort wird er als chic-boy bezeichnet. Einer, der mit mehreren…man versteht. Auch in San Juan wird getratscht. Magnus baut ein Hostel. An einem Abend quatschten wir bis spät. Ich wünschte ihm von Herzen alles Gute.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass männliche Westler ganz oben auf der Wunschliste einer Philippina stehen. Und ich sah auch nur -meistens- dickbäuchige Typen mit einer zierlichen Dame. Die Geburtenrate ist aufgrund des strengen christlichen Glaubens sehr hoch. Und sehr unmodern … Auch Tampons kennen die Mädels nicht einmal und werden auch im Supermarkt nicht angeboten.

Ich machte mir schöne Tage, kaufte auf dem Markt ein, schnackte mit meiner Gastfamilie (mehrere Nichten und Kinder) und verschenkte goldene Abziehtattoos, die die Kleinen mit Stolz am nächsten Tag in der Schule vorführten. Mit dem Motorbike erkundete ich die Insel. Am Paliton Beach wollte ich schnorcheln und hing mit zwei Locals ab (16 und 20 Jahre alt). Sie paddelten mich auf’s Meer hinaus, damit ich schnorcheln konnte. Der Jüngere kletterte auf eine Palme und schlug mir eine Coconut auf. Zum Abschied drückte ich beide. Ich hatte sie gern.

So blieb ich eine ganze Woche auf der Insel und verlängerte um einen Tag, da Freitag Abend eine Party angesagt war. Magnus konnte leider nicht mitkommen. Er musste zu seiner wütenden Freundin. So ging ich also alleine auf die Fete und traf die Bartender wieder und Jojo vom BBQ Imbiss “Black Belly”. Nora voll schon local!

Es war grossartig! Live Band mit super Musik. Die Locals tanzten und feierten. Ich tanzte bis halb drei und war eine der letzten.

Am letzten Tag lernte ich noch André aus Ostdeutschland kennen. Sein Akzent kam beim Englisch sprechen herrlich durch. Auch er ist mit einer Philippina verheiratet und muss nun aber mit Frau und Kind nach Deutschland zurück, da er kein Geld mehr hat und auch keines, um ein Business zu gründen. Herzzerreissend. Sie war sehr schüchtern und ich malte mir ihren Start in Deutschland als Katastrophe aus. Beim Ortsnamen “Bischofswerda” konnte ich mir eine Ausländerfreundliche Integration auch erstmal nicht vorstellen. Ich hoffe, ich täusche mich. Ausserdem, so André, wird es im Winter dort scheisse kalt und die beiden kennen nur 25 Grad plus. Ich schenkte ihr meinen Hoodie.

* macht 300 EUR/mtl.

Bohol: Donnergroll und Urwaldfeeling am Luboc River

Auf der Kawasaki von Joseph legte ich mir Musik auf die Ohren und genoss den Fahrtwind, die Geschwindigkeit und fand es total toll. Mit dem habal-habal, einem Motorradtaxi, ging es von Panglau ins Landesinnere der Insel Bohol.

Da Joseph dann doch mehr Geld haben wollte als vereinbart (wer hätte DAS gedacht, haha, ich nehme das ab sofort nur noch mit Humor), stieg ich in Tagliabaran in den Bus. Voll besetzt bis oben hin schuckelte der ungefedert eine Stunde lang bis zu meiner Unterkunft “Nuts Huts”. Im Bus war ich die einzige Langnase und wurde von kleinen Mädchen beäugt, die sich kichernd wieder umdrehten, als ich Hallo sagte.

Auf der Rückbank mit nur einer Arschbacke.
Auf der Rückbank mit nur einer Arschbacke.

Mit meinem Hab und Gut wanderte ich, schweisstriefend, in Richtung Unterkunft. Traumhaft am Fluss erbaut, gründeten Walter aus Belgien, seine Frau und noch ein Paar diese schöne Oase am grünen River.

Pfad.
Pfad.
Dein Schweissss.
Dein Schweissss.

Ich unternahm nach einer Erholungspause, Snack und Fruchtshake, eine kleine Tour mit dem Kajak zum Wasserfall. Der Muskelkater war sogar inklusive.

Zusammen mit einem Herrn sass ich am Ufer. Ich bot ihm eine indonesische Nelkenzigarette an und wir rauchten. Er war dafür zuständig, die Bootrestaurants zu registrieren/zählen, die alle drei Minuten vorbeifuhren. Zur Unterhaltung der Gäste war jeweils eine Band an Bord mit Sänger/Sängerin, die sich quer durch die romantischen Songs der Jahrzehnte trällern. Kirmesfeeling!

In der ersten Nacht präsentierte sich mir die Gewalt der Natur in Form eines ungeheueren Gewitters. Morgens um vier Uhr knallte der Donner wie die Wut eines riesigen Monsters durch den Dschungel, die Blitze zuckten taghell. Wow! Und ich musste auf’s Klo, das lag draussen. Ohne Taschenlampe tapperte ich hin, ohne musste ich auch wieder zurück und konnte mich nur während der Blitze fortbewegen, da es rabenschwarz war. Diese Dunkelheit hatte ich zuletzt in Neuseeland auf dem Campingplatz erfahren. Da sass ich aber im Wagen. Hier, draussen, war das ein total beklemmendes Gefühl. Nichts sehen, ausgeliefert sein. Urwaldfeeling!

Auf Hiking hatte ich bei der mega Hitze keine Lust und mietete mir ein Motorbike, um einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen und im Loop wieder nach Luboc. zurück zu fahren. Die Chocolat Hills, Gugelhupfartige Hügel mit braun-grünem Grass bewachsen, waren eine davon. Highlight war der Besuch des Tarsier Reservates. Diese ulkigen Äffchen sind der Hit! Die können ihre Köpfe um jeweils 180 Grad drehen und sehen aus wie eine Mischung aus Affe, Frosch, Ratte, Maus auf Droge.

Position A.
Position A.
Position B.
Position B.
Position C.
Position C.

Die Strasse, die mich im Loop wieder nach Luboc führen sollte, verpasste ich leider. So fuhr ich bis in den Norden der Insel bis nach Ubay. Auf dem Weg passierte ich mehrere Dörfer, deren Einwohner wohl noch nie eine Touristin gesehen hatten. Alle schauten/starrten, einige winkten, ich rief Helloooo! Und es war so heiss, die Sonne brannte auf mich nieder. Unterwegs gab es leider keine Möglichkeit irgendwo einzukehren. Ich fragte irgendwann nach dem Weg (sein Kumpel wollte Geld haben für diese Information), fuhr die Strasse, die ich verpasst hatte, zurück. Insgesamt ritt ich 200 Kilometer auf der Maschine. Ohne Essen von 8 Uhr Frühstück bis 17 Uhr. Hells Angels Feeling!

Zusammen mit Collin nahm ich am Morgen des dritten Tages die Fähre nach Dunamaguete. Wir erreichten das Boot in allerletzter Minute. Siegerfeeling!

Island hopping starts now: Bohol

Früh ging es los, raus aus Cebu City, auf das Schnellboot nach Bohol. Vom Hafen aus musste ich mich wieder mit dem verhassten Transport rumschlagen, um nach Panglao zu kommen, einer kleinen Insel vor Bohol, die man über eine Brücke erreichte.

Der scheinbar freundliche Tricycle Fahrer offerierte mir eine Fahrt für 300 Peso (6 EUR). Liess nicht mit sich handeln. “Nooo, 200 old priiiice, far awaaaay, you know, and gasoline expensive.”

Also los. Ach nee, Moment, ach, er musste erst noch einen Umweg fahren zur Schule, seinem Kind etwas geben … Wie süüüüüss, gerade war Schule aus und alle niedlichen Kinder in Uniform sprangen um mich herum. Ich war total im freundlichen Localmood.

Im Tricycle.
Im Tricycle.

Weiter, 45 Minuten Knattertour im Schneckentempo (spart Gasoline). Er empfahl mir eine Anlage in Strandnähe für 14 EUR das Zimmer. Es war das günstigste, ich nahm es. Ohne Aircon, ohne Frühstück, aber sauber, gute Matratze und recht gross. Vor der Rezeption warteten auch schon zwei Mädels, die zurück zum Hafen wollten. Sie verhandelten mit ihm, 4 EUR. Das sind 2 EUR weniger als für mich ALLEIN. Und er tat dies vor meinen Augen!!! Ich knallte ihm das Geld in die Hand und verschwendete meinen Atem damit ihm klar zu machen, dass das nicht fair war und so weiter (und er sich sein beschissenes “god is love” Schild auf dem Tricycle in den Arsch schieben kann).

Das Traumhotel.
Das Traumhotel.
Die Stehlampe funktionierte übrigens nicht, da der Stecker nicht passte.
Die Stehlampe funktionierte übrigens nicht, da der Stecker nicht passte.

Leudde, ich war so dermassen abgefuckt. Das hielt dann leider auch noch an. Der Strand war nicht schön, die Preise zu hoch für alles, das Essen, auch das für die Touristen, kacke, die Einheimischen unfreundlich, andere Gäste nur Paare, Chinesen und Koreaner in Rudeln …

Ich vermisste Indonesien. Ich vermisste Gili Air. Tatsächlich checkte ich Flüge zurück nach Bali, aber das würde mein Budget sprengen und ausserdem wollte ich den Philippinen noch eine Chance geben.

Ich lieh mir am zweiten Tag nen Roller aus und fuhr über die Halbinsel. Basketball ist DER Sport hier und so stoppte ich spontan bei zwei Jungs und warf mit ihnen ein paar Körbe, um nach fünf Minuten und schweissgebadet zugeben zu müssen, dass ich aus der Übung bin. Aber ein paar Bälle habe ich versenkt und die Nachbarn hatten was zu glotzen, was die dicke, weisse Frau da schweissüberströmt am jumpen iss.

Nach zwei Tagen machte ich auch hier die Biege und versuchte mein Glück im Dschungel.

Philippinen: ankommen, schwitzen.

Auf meiner Reise traf ich mehrere Leute, die mir die Philippinen ans Herz legten. Und die sind nur vier Flugstunden von Bali entfernt. Da ich offiziell aus Indonesien ausreisen musste, nahm ich mal den Flug über Manila nach Cebu. Ich kam mir vor wie beim Strassenbahn fahren. – Heute fährt die 18 bis nach Ma Ni La-

Aber Manila besuchte ich bewusst nicht. Dieses Moloch von Stadt würde ich mir, wenn, nur mit einem Freund/Freundin geben, die dort leben und sich auskennen.

Manila
Manila
Schluck. Nein, Danke
Schluck. Nein, Danke

In Cebu kam ich am späten Nachmittag an und nahm ein offizielles (!) Taxi zum Hostel. Nun reise ich schon so lange und verpeilte, dass der Taxifahrer das Taxameter nicht einschaltete. Er nahm mir 800 Peso ab, das sechsfache, wie ich später erfuhr. Ich war angry! Aber nicht machtlos. Ich rief die Hotline der Taxigesellschaft an und gab Taxinummer 0401 zu Protokoll. Ich fand es einfach scheisse. Super Start.

Nach zwei Tagen hatte ich von Cebu City auch schon genug. Es war so heeeeeeeiss. Ich konnte keinen Schritt tun, ohne Bäche zu schwitzen, auch im Sitzen lief der Schweiss. Ich sah mir auch nix an, die anderen Traveller bestätigten, dass es nix zu sehen gibt. Vom Taxi aus machte die Stadt auch alles andere als einen einladenden Eindruck.

Also ich ab ins klimatisierte Shoppingcenter, kaufte Schnorchelzeug, liess eine neue Batterie für meine Uhr einsetzen (HELL, die Schlangen vor diesen Uhrenservicetheken sind auch hier so lang wie im Kaufhof!) und bummelte rum. Nun, auch im Shoppingcenter kann man die einheimische Kultur ergründen. Die Phillipinos haben ihre Kolonialwurzeln zwar im Spanischen, lieben aber alles Amerikanische. Einkaufszentren gehören dazu mit unzähligen Schuhläden, Elektroshops und gigantomastischen TV Screens sowie Fast-Food-Ketten.

Wo wir beim schrecklichsten Thema sind: dem Essen. Ich war von Indonesien ja so verwöhnt. Vorzügliche Speisen, frische Säfte an jeder Ecke, Warungs mit interessanten Leckereien. Die Philippinen sind bekannt dafür, dass es alles das nicht gibt. Und es stimmte. Buah, Hühnerleber, fieseste Schweinespecklabberein, undefinierbare Suppen. Ich bestellte eine Pizza. Am Abend gab es im Hostel Spaghetti for free. Wenn das so weitergeht…

Zunächst ging es aber erstmal weiter auf die Insel Bohol. Da sollte einer DER Strände sein, Alona Beach.

Bett. Mehr Fotos hab ich in Cebu nicht gemacht....
Bett. Mehr Fotos hab ich in Cebu nicht gemacht….

Nora im Ashram: zurück auf der Erde

Die fünf Tage gingen schnell um. Der Abschied von den Menschen war liebevoll. Einige habe ich sehr gemocht, ihre Schicksale berührten mich und ich glaube ihnen. Ihre Reaktionen auf Ratus und das Shaken erschienen mir nicht gespielt. Glaube kann Berge versetzen, so heisst es. Gerade in schwierigen Lebenssituationen sucht man Hilfe von Aussen, ob vom Universum, vom Guru, dem lieben Gott oder den Heinzelmännchen. Und es ist gut so.

Manchmal fragte ich mich aber, ob der Ashram die Menschen süchtig macht. Süchtig nach dem Gefühl der Happiness, des Explodierens. Einige, die im Taman crazy abgingen, sahen beim Abendessen schon nicht mehr so happy aus. Frau A. aus Holland fragte ich, ob sie denn auch im Alltag lacht und glücklich ist. Man könne das ja nicht so vergleichen, in der Shaking Gruppe wäre das immer so einzigartig. Hm.
Und was ist mit denen, die seit Monaten im Ashram leben. Das wirkliche Leben findet da jedenfalls nicht statt.

Sie fragten mich, ob ich wiederkommen werde in den Ashram. Vorerst nicht, aber wer weiss. Try things for the second time, vielleicht.

Meinen heiligen Tabak habe ich Herrn T. geschenkt und die Spritze weggeschmissen.

Nora im Ashram: die weiteren Tage

Die Routine im Ashram hat etwas beruhigendes. Das frühe Aufstehen fällt mir nicht schwer, kann ich doch von meinem Zimmer aus direkt zum Springbrunnen schlurfen und bei der Meditation noch ein bisschen die Augen schliessen. Die aufgehende Sonne ist schön, die Vögel zwitschern, der Springbrunnen plätschert.

Das Mantra habe ich jetzt drauf, habe mir einen Spickzettel gemacht. Die Menschen, sie rülpsen und rotzen wieder. Ich finde es ekelig, aber hier soll man ja alles rauslassen.

Etwas über 3000 Mal habe ich es gesungen.
Etwas über 3000 Mal habe ich es gesungen.

Ratu trägt an diesem Morgen Blazer und ein funny T-Shirt auf mit dem Ausdruck “I love myself so much”. Ich finde ihn ja irgendwie knuffig. Er erklärt, dass nicht er zu uns spricht, sondern durch ihn das Universum. Frau L. furzt, alle lachen, Ratu sagt “Let it flow!” Cool, der Ratu.

Der Taman!
Der Taman!

Beim Shaken versuche ich alles zu geben. Die Füsse schlafen ein, die Knie schmerzen, der Rücken, die Brüste auch. Aber gerade dann soll man weiter shaken, “go through it”. Ich reduziere die Intensität, am dritten Tag schwänze ich eine Stunde Shaken nach der Morgenmediation und verlasse den Taman am Abend eine Stunde früher. Das soll man auf garkeinen Fall machen, erklärt mir Frau A. Einige Damen legen sich kleine Glocken um die Taille. Es herrscht ein Lärm im Taman, der mir ab und an gehörig auf den Senkel geht. Ich gehe auf die Toilette und muss pausieren. Meine Güte! Ein paar Mal hoffe ich, dass die zwei Stunden Shaken bitte schnell vorbei sein mögen.

An einem Morgen der ersten Tage spricht Ratu mich nach dem Shaken an und fragt, ob everything OK sei. Ich gehe auf ihn zu, hocke mich hin und brabbel irgendwas ungefragtes. Ich bin immer noch verunsichert. Dabei kann man ganz normal auf ihn zugehen, so Frau D. und auch mit ihm über das Shaken reden oder ihn Dinge fragen. Ich denke immer noch, er kann meine Gedanken lesen. Abends sitzt er vor der Glotze in seinem Kingsize Stuhl und schaut indische Soap Opera. Ich muss schmunzeln. Auch ein Guru ist nur ein Mensch. Vielleicht gehe ich doch mal hin und frage ihn wegen meiner Schulter. Früher war er ein Balian, ein Heiler. Probieren kann man es ja mal.

Mittlerweile habe ich auch vom gesegneten Tabak erfahren, die so genannte Ratu Medizin. Den stopft man sich entweder in die Unterlippe oder man produziert ein Liquid, das man sich mittels einer Spritze die Nase zieht. Ich erhalte eine Kostprobe von Herrn T. Mir schiessen die Tränen in die Augen und ich muss mich hinsetzen. Der Kopf kribbelt. Nein, nicht hinsetzen, weiter shaken! Ich kann nicht, habe das Gefühl, dass ich sonst umfalle. Krass! So ganz ohne Hilfsmittel klappt die Connection zum Universe also doch nicht. Alle spritzen, ich kaufe mir die Utensilien. Wenn schon, denn schon.

Das Shake Besteck...
Das Shake Besteck…

Man sollte beim Rütteln das Foto von Ratu fixieren, dann fällt es wohl leichter an nichts zu denken. Ich mag nicht, ich mag keinen Guru anbeten. Ich versuche es aber, sein Gesicht verformt sich zu einem breiten Grinsen, zusammen mit dem Hintergrund kriegt er irgendwie Affenohren. Zuviel heilige Tabakmedizin? Meine Beine zittern ab und zu wie elektrisch aufgeladen. Tut sich da etwa was? Ich führe es auf eine Art Muskelkrampf zurück. STOP! “Less thinking, more doing!”

Ratus berührt mich mehrmals an der Wirbersäule, dort sitzt das Sakral Chakra. Ick merk nüscht! “Electric, electric, electric” wiederholt er…. Hmmmmm….
Ich grinse ihn stets freundlich an, wenn er mich anguckt. Ich habe Ehrfurcht vor ihm und frage mich immer noch, ob er mich durchschaut und weiss, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin.

Beim Essen wird viel über den letzen Shake gesprochen. Unter den Teilnehmern sind Neulinge, die auch nix merken. Da bin ich ja beruhigt. Das sei normal, am Anfang dauert es einfach seine Zeit, bei manchen hat es zwei Jahre oder länger gebraucht. Viele haben Probleme. Krebs, Depressionen, Familienschicksale. Sie alle erhoffen Hilfe aus dem Universum und von Ratus. Bei manchen hat es geholfen. Frau L. hat so den Grossteil ihres Krebs besiegt. Nur im Gehirn sitzt noch etwas. Manche sind seit vier Monaten im Ashram.

Neuling Frau D. merkt etwas, als Ratus sie an die Hand nimmt. Ein blaues Licht erscheint ihr. Auch Herr J. aus Ungarn fällt um. Ich bin etwas neidisch. Mich nimmt er nicht an die Hand. Ich shake an einem Morgen so sehr, dass ich total schwitze und völlig am Ende bin. Dennoch nix gemerkt. Auf dem Bett penne ich ein, erscheine zu spät zum Spüldienst und werde ermahnt. Geht’s noch?

Fünf Tage lang rauche ich nicht und trinke auch keinen Alkohol. Fällt auch nicht schwer, aber den heiligen Tabak zu rauchen muss ich dennoch mal probieren. Es knallt mir die Lunge weg. Ich bezweifle ein wenig, ob das mit dem Liquid in die Nase schiessen so gesund sein kann…. Angeblich soll es detoxing sein.

Ratu ist auf einmal verschwunden. Dein Tage lang. Er ist nach Jakarta geflogen und sitzt nun dort fest, da ein Vulkan Rauch und Asche spuckt und der Flughafen von Denpasar gesperrt ist. Na toll, so viel Geld bezahlt und der Meister ist nicht da. Und wegen der Schulter kann ich nun auch nicht fragen. Kann man aber nix machen. Alle sind traurig und vermissen ihn. Ich hätte mir noch mehr Talks von ihm gewünscht. Zum Saturday night Fever ist er endlich wieder da. Alle sind total glücklich und rasten derbe aus. Ein Frau verdreht die Augen, kommt garnicht mehr klar und schreit “I love you Ratu!” Hm, Autogrammkarten gibt es wohl im Shop zu kaufen.

Die Bude ist voll, es sind auch viele Locals da, ein Getöse! Sie waschen ihm die Füsse. Ich habe beschlossen, es nun mit Musik zu versuchen und mir eine technoide Playlist zusammen gestellt. Geht doch! Ich habe Gänsehaut und kann shaken wie noch nie und es tut mir auch nix weh! Music is my religion!

Ich gönne mir eine Massage bei der balinesischen Frau P. Sie hatte Asthma und wurde durch das Shaken geheilt. Ich glaube ihr und freue mich für sie.

Am Sonntag Morgen ist mein letzter Shake. Ich zelebriere ihn.

Nora im Ashram: Shake it with Ratu

Zu den “do more things for the first time” gehörte für mich auf jeden Fall noch der Besuch eines Ashrams. Die missratende Yoga Woche auf Ko Samui konnte ich ja nicht wirklich dazu zählen.

Über eine Empfehlung kam ich also zu Ratu Bagus im Dorf Selat und buchte für den Preis eines Luxushotels fünf Tage Ashram (Mindestaufenthalt für Anfänger). Im Ashram wird das “Shaken” praktiziert, das schon alte Kulturen anwendeten. Auch Osho/Baghwan hat seine Follower rütteln lassen.

Durch das stetige Shaken des Körpers sollen Blockaden gelöst und Energy freigelassen werden. Ziel ist es, Connection mit dem Universum über/und Ratus herzustellen und so happy zu werden. Dazu wird das Gayatri Mantra, das Muttermantra, gesungen. Ich war enttäuscht, denn ich dachte, es wird zu Musik geshaked. Hatten sie aber abgeschafft, weil es dauernd Streit um die Playlist gab.

Tag 1: Ich erreiche den Ashram. Ratus sitzt vor seinem Haus, Guru mässig in Weiss gekleidet mit lustiger Dutt Frisur. Er begrüsst mich mit einem Lächeln und drückt mich. Ich bin verlegen. Kann er meine Gedanken lesen? Warum drückt er mich?
Zum Glück gibt es direkt Mittach und ich lerne alle Leute kennen, kann mir die Namen nicht merken. Wir sind ca. 35 Teilnehmer. Mit Marianne, seiner Assistentin, unterhalte ich mich beim Lunch und erhalte eine kurze Einführung. Danach Rundgang. Ich werde zum Küchendienst nach dem Mittagessen eingeteilt, Spülen und Abtrocknen. What???? Ach ja, Karma auftanken …

Ich steige ein mit der Meditation am Abend. Ratus sitzt am Springbrunnen. Wie meditiert man denn so genau? Ich schliesse die Augen und versuche an nichts zu denken, was natürlich nicht klappt. Dazu passiert viel zu viel um mich herum. Die Menschen, sie rülpsen immerzu. Eine fängt irgendwie seltsam an zu glucksen. Nach einer halben Stunde stehen sie auf, singen das Mantra und shaken. Ich kann noch nicht mitsingen aber shake mal los. Gut, dass ich den Sport BH habe, aber angenehm ist es nicht.

Shiva Brunnen. Innen ruht ein Stein, der aus dem Vulkan Agung herausgeschleudert wurde.
Shiva Brunnen. Innen ruht ein Stein, der aus dem Vulkan Agung herausgeschleudert wurde.

Einige Menschen fangen plötzlich an zu lachen. Nachdem sie vom heiligen Wasser getrunken haben, rasten sie völlig aus und schleudern umher, lachen sich kaputt, tänzeln, fallen zu Boden. Das ist, habe ich nachgelesen, die Energy, die sich entfaltet.

Ratus steht vor dem Springbrunnen und sagt immerzu “I love you”. Wenn er die Menschen anschaut verhalten sie sich wie bei einem elektrischen Schlag und stossen nach hinten oder vorne, lachen. Ich bin leicht verstört und kann mich nicht mehr auf das Mantra konzentrieren, weil ich die ganze Zeit blinzle, was denn nun schon wieder passiert.

Ich nehme drei Schlucke vom heiligen Wasser. Marianne fragt mich hinterher, ob ich die Energy gespürt habe. Nö. Aber erfrischend war das Wasser. Im Taman geht es mit dem Shaken weiter, jetzt wird auch noch gekreischt, geschrien. Mann o Meter! Nach dem Abendessen bin ich reif für das Bett und schlafe tief und fest.

Der Tagesablauf:
6:30 Meditation am Springbrunnen mit hl. Wasserquelle
7:00 – 9:00 Shaken im Taman
9:00 Frühstück

13:00 Shaken
15:00 Mittagessen
16:00 Küchendienst

18:30 Meditation
19:00 – 21:00 Shaken
21:00 Abendessen