Coromandel Forest Park

Es folgen einige Bilder von meinem Walk durch den Nationalpark. Adventure!

Camping Queen: sie will es nochmal wissen!

Schon oft hatte ich das Gefühl, dass ich in Neuseeland etwas verpasse, und zwar sehr viel. Der eingeschränkte Bewegungsradius, bedingt durch das Reisen mit dem Bus, machte mich langsam mürbe. So beschloss ich einen Camper zu mieten. In Australien war “el cheapo” ja ganz fein, schön warm waren die Tage und Nächte. Diesmal musste es aber “el grande” sein, ein Hitop, in dem man sich auch bei Regen aufhalten kann, der einen Kühlschrank besitzt und in dem man Drinnen kochen kann.

Da die Wintersaison Ende Mai anfängt, war auch der Mietpreis für mich allein auch nicht so horrende. Ausserdem wollte ich es unbedingt machen. Und es hat sich gelohnt. Während der Fahrt durch die Lande habe ich sehr oft “Ich fass es nicht, mein Gott ist das schön!” gesagt.

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Und ich merke, dass ich garnicht alle Eindrücke aufschreiben kann. Meine Route führte von Auckland zunächst nach Südosten auf die Coromandel Halbinsel, die ich umrundete. Dann zurück nach Auckland und bis hoch in den Norden, nach Paihia.

Meine Highlights:
– die erste Nacht in Tapu, in der ich kaum eine Auge zutat, da es so stürmte, dass der ganze Camper wackelte (und ich Sturmflut-Paranoias schob)
– die zweite Nacht in Whangapua auf dem privaten Campground von Earl, einem Maori, mit dem ich mich sehr nett unterhielt, der mir Fejoias schenkte und der mir nur 10 statt 20 Dollar abnahm. Die Aussicht war 1a.
– die dritte Nacht im Coromandel Nationalpark, in dem ich ausnahmsweise campen durfte, obwohl ich nicht “self-contained” war (die Lösung des Problems: Eimerchen). Am Morgen darauf unternahm ich einen 10km Walk und musste auf dem Rückweg einen Fluss überqueren. Adventure!
– die vierte Nacht in Orewa, es war zwar teuer, aber ich brauchte eine heisse Dusche. Ausserdem war die Aussicht auf das Meer einfach grande.
– die fünfte Nacht in Waitangi nahe Paihia, wo ich fast alleine an den Wasserfällen Hurara Falls campte und einen lustigen Abend mit der 60-jährigen Kiwidame Denise und ihrem Spitz “Jessy” anfreundete.
– die sechste Nacht auf halber Strecke Richtung Auckland in Manghawei Heads. Campen hinter den Dünen am Strand. Mit der beleibten, fünfköpfigen Familie, die zusammen in einem kleinen Wohnwagen pennten (…and Daddy on the floor, muahahaha!)

Taupo – heisse Quellen, Vulkane crossin’ und rockige Nächte in Rotorua

Normalerweise machen in Taupo alle einen Skydive. Das habe ich ja schon erledigt. Daher konnte ich Aaron (20), meinem Room-Mate, schön einen erzählen, wie das so ist mit dem Aus-dem-Flugzeug-springen, denn seiner stand noch bevor.

Das Hostel “Rainbow Lodge” war mir ebenfalls sehr sympathisch. Ich traf zwei Mädels aus Nelson wieder. Unter anderem Cora, die in Nippes an der Florastrasse wohnt!!! Crazy! Als ich sie in Nelson zum ersten Mal traf, nahmen wir uns in den Arm, so eine Art Heimatgefühl war das. Die zweite Begegnung mit Kölle (erste war in Sumatra mit Katherine, die im Agnesviertel wohnt).

Taupo ist von Vulkanen und heissen Quellen umgeben. Auf dem Weg zu den mächtigen “Huka Falls” (You can see Waterfall!), hat man die Gelegenheit in einer heissen Quelle zu baden. Von oben plätschert es warm, an den Beinen fliesst der kalte Fluss. Wieso muss ich schon wieder an Dornbracht denken?

Ich unternahm ausserdem einen Great Walk, das “Tongariro Crossing”. Die Wanderung dauerte ca. acht Stunden und führte über mehrere Vulkane. Eine atemberaubende, bizarre Landschaft.

Einen der Summits (Tongariro Mountain) nahm ich mit. Das Besteigen des Mt. “Doom” (Mordor aus Lord of the Rings) überliess ich bekloppten Machos, die etwas zum Angeben brauchten. Die Strecke führt nahezu 45 Grad mässig nach oben. Man muss mehr krabbeln als gehen. Schönen Dank, da bleibt der faule Hobbit lieber unten.

Abends legte ich meinen müden Beine in die Sauna (Platz für zwei Personen, ich war zum Glück alleine drin). Mit meiner Room-Mate Limor (20) aus Israel und Aaron war ich für den nächsten Morgen verabredet. Gemeinsam wollten wir mit ihrem Auto nach Rotorua fahren.

Hier besuchten wir ebenfalls heisse Quellen, bunte Schwefelseen und badeten in Ungerbuxe in einem warmen Fluss. Herrlich!

Abends war ich sogar “aus”. Mein Bekannter aus Taupo war müde, so zog ich alleine los und endete in einem Pub mit Live-Musik. Zuerst stand ich da wie ein Alien. Warum? In voller Schlabbermontur (Jogginghose, Hoodie, Turnschuhe), fiel ich doch etwas auf inmitten der Saturday Night Fever Meute. Zumindest kam es mir so vor. Dennoch machte ich Bekanntschaft mit einigen Damen, die ihre Ladies Night zelebrierten und wir rockten mächtig ab. Manchmal muss ein Alien sich einfach der Erde nähern, dann klappt es schon mit den Kiwis.

Der Abend endete leider frustig. Im Schlafsaal waren drei Inder einquartiert, der eine schnarchte so laut, dass ich mich garnicht erst hinlegte, sondern meine Sachen nahm und in die Lounge neben der Küche zog, um dort zu pennen. Gegen Mitternacht kam leider das Sicherheitspersonal und bat mich freundlich, doch bitte wieder ins Zimmer zu gehen, eine andere Möglichkeit gäbe es leider nicht. OK, kein Auge zugetan, ansonsten aber n schönen Abend gehabt.

Napier – Skatertown und Art Deco.

Offen gestanden war ich mittlerweile etwas müde vom Reisen. Drei Nächte hier, zwei Tage da… Das Anstrengende, wenn man mit dem Bus unterwegs ist, ist das ständige Rumlaufen zu Fuss, das Geschleppe, das wiederkehrende Einrichten im Hostel, das Orientieren vor Ort. Sobald man sich auskennt, zieht man schon wieder weiter. Muss ich ja nicht, klar. Aber ich hatte jetzt schon das Gefühl, dass ich so viel verpasst habe von diesem wunderbaren Land.

Napier empfing mich mit gutem Wetter und Palmen. Nice! Ausserdem trug Jaydon, ein 20-jähriger Kiwi, den ich im Bus kennenlernte, meine Futtertasche bis zur nächsten Kreuzung.
Das Hostel war das gemütlichste, was mir auf der Reise begegnet ist. Und obwohl es ein YHA Hostel war, die ansonsten zumeist rein funktional statt hübsch sind. Hier wurde jedoch vieles nett dekoriert. Im Bad stand zum Beispiel ein cooler Retro Stuhl, der Spiegel hatte einen hübschen Rahmen, verschiedene Bilder hier und da, bunte Glasfenster.
Das Städtchen erinnerte mich an Melroce Place, Beverly Hills 90210.

Viele der Fassaden sind im Art Deco Stil gehalten. Ich unternahm einen Walk zum Aussichtshügel “Bluff Hill”, legte mich ins Gras und machte Bekanntschaft mit einem Kiwi-Trio, die eine solch lustige Erscheinung waren … Schade, dass ich kein Foto gemacht habe.

Die “Jugend” im Ort war eindeutig auf Skaten gepolt, das im Widerspruch zu dem Art Deco Hype stand. Ich fand es sympathisch. Mit Zack, ein junger Engländer, der an Geister glaubt, verbrachte ich einen netten Abend im Hostel (ich spendierte Kaltgetränke – manchmal muss man sich Leute “kaufen”). Die Geister schliefen friedlich.

Pretty Wellington

Das Übersetzen mit der “Interislander” Fähre von Picton (im Norden der Südinsel) nach Wellington war ein Erlebnis. Die Fähre hatte Verspätung aufgrund eines Sturms auf hoher See. Na Prosit.

So hing ich vier Stunden am Terminal ab und verfolgte das Ankommen einer Kindergruppe, die von ihren Eltern nach einem Abenteuerwochenende abgeholt wurden. Interessant war das! Ich machte die unterschiedlichen Freundschaften aus, tippte welches Kind zu welcher Mutter gehört, stellte mir vor, dass sich einige der älteren Mädchen vielleicht in einen der Teamer verliebt hatte …

Ich schlief die Nacht vorher schlecht, war total müde und hoffte, dass ich auf der Fähre etwas Schlaf finden würde. Ob das bei entsprechendem Wellengang klappen würde? Innerhalb der Fjorde war noch alles ok, als es dann auf die Cook-Street ging, wurde einem mal wieder bewusst, wie kraftvoll die Natur ist. Hoch und runter ging es, die ersten kotzten schon. Und das war noch harmlos, wie mir ein freundliches Ehepaar aus Wellington mitteilte, das auf der Fahrt gemeinsam Kreuzworträtsel löste (er las vor, gemeinsam rieten sie, ich war gerührt).
Ich fand eine kleine Ecke auf dem Schiff, legte mich auf den Boden, zog die Mütze über den Kopf und versuchte zu schlafen. Ging natürlich nicht. Schlecht wurde Captain Blaubär zum Glück nicht.

Die Fahrt dauerte vier Stunden. Die Kulisse bei der Ausfahrt von Picton Harbour war natürlich erste Sahne und ich war ein bisschen wehmütig, dass ich jetzt schon die Südinsel verliess. Es gab da doch noch so viel zu sehen ….

Vom Hafen in Wellington, es war schon dunkel, ging es mit dem Shuttlebus zum Bahnhof, von da aus mal wieder zu Fuss weiter. Mit einer immer schwerer werdenden Tasche mit Essen. Was ist denn bloss darin: Pfeffer, Salz, italienische Kräuter, Milch, Oats, 1 Banane, 1 Apfel, Instant Nudelsuppen, Instant Kaffee, 1 Möhre, 2 Tomaten, Toast, Margarine, Sojasosse, Curry Paste, Chilipaste – was man halt so braucht, um sich halbwegs zu versorgen. Also, wenn man etwas Anspruch an seine Verpflegung hat. Ich verfluchte meinen bei jedem Schritt, überlegte ernsthaft, mir einen billigen Hackenporsche zuzulegen.

Endlich angekommen war ich dann echt zu müde für weitere nächtliche Party Aktivitäten. Dafür konnte ich jedoch ebensolche akustisch verfolgen. Klar, es war ja auch Wochenende, Ausgehabend! Captain Blaubär lag kopotti in der Koje.

Morgen, morgen unternehme ich etwas: Besuch der WETA Studios, Te Papa Museum, hoch auf den Victoria Hill.

WETA Studios: hier wurden die Figuren, Kostüme, Waffen und Accessoires der Lord of the Rings Filme, Hobbit, Avatar, King Kong, Tin Tan etc. sowie alle digitalen Effekte erstellt. Ich war schwerstens beeindruckt.

Te Papa: Im berühmtesten Museum Neuseelands gab es eine grossartige Ausstellung anlässlich des ANZAC days, in Gedenken an die Gefallenen im ersten Weltkrieg. Die Ausstellung wurde zusammen mit den WETA Studios errichtet, daher grandios.

Victoria Hill: auf dem Hügel über der Stadt kann man sich ein Bild machen. Wellington gefällt mir. Die Häuser sind niedrig in die Landschaft gebaut, viele sind aus Holz. Es ist übersichtlich, am Wasser gelegen, es versprüht gemütliche Café und Kneipenkultur. Im City Centre gibt es sogar ein paar “Hochhäuser” (ich denke, sie waren höchstens 8-stöckig). Man kann auf den Strassen so etwas wie eine “Fashionkultur” erkennen, was ansonsten im ganzen Land überhaupt nicht vorkommt.

Nach vier Tagen ging es weiter. Zur Busstation des Intercity fuhr ich mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Greymouth, Nelson, nothing else.

Nach so viel Action und Adrenalin ging es vergleichsweise sachte zu. Ich weiss auch nicht, wieso ich ausgerechnet in Greymouth Halt machte, da gab es irgendwie nix zu sehen und abends wurden die Bürgersteige hochgeklappt. Im Pub war ich eine von vier (!) Gästen. Abgefahr’n.

Es ist wohl jedoch der Ort, von dem aus der Transalpine Zug startet und durch die Alpen über den Arthur’s Pass nach Christchurch fährt. Die Fahrt soll herrlich sein. Ich blieb aber in der bisher hässlichsten Stadt Neuseelands, die aber auch irgendwie ihren subtilen Charme versprühte. Das Meer war wild und tobend, der Kieselstrand voll von wunderschönen Steinen. Ausserdem waren ein paar durchgeknallte Leute im Hostel, das machte das ganze sehr unterhaltsam. Auch der Nachmittag im Café war sehr schön, in dem ich bei einem Flat White den Fiji Reisekatalog wälzte.

Nelson.

Die Stadt liegt 1,5 Stunden Autofahrt von dem berühmten Abel Tasman Nationalpark entfernt. Auch hier kann man einen Great Walk entlang der Küste unternehmen. Sofern man ein Zelt hat oder sofern es freie Hütten gibt.

Zusammen mit meiner Short-Term-Reisefreundin Michaèla aus Milan unternahm ich mit einem Mietauto einen Tagesausflug zur Golden Bay, die an den Nationalpark grenzt. Es war ein toller Tag. Allerdings hatten wir den stinkenden Franzosen Stéphane aus Paris mit an Bord, von mir ab sofort Skunk-Stéphane genannt.
Michaèla hatte ihn in ihrem Hostel gefragt, ob er vielleicht mitkommen möchte. Da zeckte er sich natürlich gerne an und stank im Auto vor sich hin. Ein Backpacker wie er im Buche steht, jedoch auf mir unsympathische Art und Weise: Hitchhiker, Toast mit Thunfisch, Nudeln mit Sosse, Wasser aus dem Hahn, stinkender Pullover, kein Geld für Benzin dazugegeben.

Zum Abschluss einen gelungenen Tages und zur Belohnung für das Ertragen von Skunk-Stéphane gingen Michaèla und ich alleine (!) ins Restaurant und bestellten einen Burger. Mein erstes Essen in einem richtigen Restaurant.

Was ging noch in Nelson? Da gab es den Hügel, der das “Centre of New Zealand” markierte. Oben angekommen legte ich mich eine Stunde auf die Bank und sonnte mich, bis dass Wolken aufzogen und hörte den Touristen beim Knipsen zu. Ansonsten verlief ich mich dauernd in dieser kleinen Stadt.

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Here you go!
Here you go!

Im Hostel ging es ziemlich unpersönlich zu, abends langweilte ich mich sehr. Daher freute mich auf die nächste Etappe: ab auf die Nordinsel in die Hauptstadt Wellington.

Franz-Josef, Nora-Maria und Sky-Dive

Der Gletscher Franz-Josef ist eine Sache. Eine Zunge aus Eis im grauen Berg, wenn die Sonne scheint in einem unwirklichen Blau schimmernd, über Jahre leider bereits halb weggeschmolzen.

Sky-Dive ist eine andere Sache. Seit 10 Jahren steht das auf meiner Liste, endlich habe ich es getan. Wie war es also?

> Bei der Online-Buchung hatte ich Schwitzehände.
> Das Wetter schlug um auf Regen und Wolken.
> Der Sprung schien auszufallen.
> Ich ging zum Office, Geld zurück.
> Das Wetter schlug um auf blauer Himmel, Sonne und Wolken.
> In diesem Moment rief mich das Office an. “Dive. Now!”
> Bauchkribbeln.
> Schwitzehände.
> In den Shuttle, zum Rollfeld, nervöses Grinsen.
> Ins Flugzeug, abheben, Aussicht, cool down.
> Sauerstoffmaske auf, nervös.
> Tür geht auf, alle springen, ich als letzte.
> Ich denk nix mehr.
> Beine raushängen, Kopf nach hinten, Ruck nach vorn.
> Wir fallen. Merkt man nicht. Nur Wind, Wind, Wind.
> Schirm geht auf, aufwärts, gleiten, Ruhe.
> Nora lenkt zaghaft, Typ macht Manöver, Nora quieckt.
> Easy Landung.
> Nora grinst den restlichen Tag debil durch die Gegend.

Also: machen!

I love nature! Milford Sound.

Von Te Anau aus unternahm ich zudem eine Tagestour inklusive Bootstrip nach Milford Sound, einer der Hotspots des Landes und von allen Touristen besucht. Das Wetter checkte ich dazu bereits seit einer Woche aus, bibberte, da Regen und Sturm angesagt war, aber man weiss hier nie. Ich hatte, UNGLAUBLICH, Glück und es schien wie wahnsinnig die Sonne. Man, war ich glücklich.

Für schlappe 70 Euronen cruisten wir dann 1,5 Stunden durch den Fjord. An das Geld dachte ich im Nachhinein nicht mehr, die Umgebung hatte mich berauscht.

Auf der Fahrt zum Fjord gab es natürlich auch sehr viel zu sehen. Daher musste ich mich immer wieder wundern, wenn die Leute auf ihrem Smartphone gamen, anstatt, wie ich, die ganze Zeit aus dem Fenster schauen.

Ein Hauch von Kepler Treck!

Ich sage es direkt zu Anfang und werde es immer wieder sagen, weil es einfach so ist: Neuseeland ist wunderschön, ist Märchenland, haut einen um, es schmerzt beinahe, die Schönheit der Natur zu sehen. So rein, so klar, so frisch, bis dass es überläuft. Und ich weiss jetzt schon, dass ich wiederkommen möchte. Im Sommer, im Camper, mit dem Mann.

Auf der Fahrt von Christchurch nach Queenstown via Lake Pukaki und Lake Tekapo konnte ich mich bereits schön bequem aus dem Bus heraus mit der Schönheit des Landes befassen. In Te Anau tauchte ich dann richtig ein in Kiwis Nature.

In dem kleinen Ort startet der weltberühmte Kepler Treck, einer der vielen Great Walks, die man hier in Neuseeland wandern kann. Normalerweise läuft man ihn 4-5 Tage. Da aber die Hütten ausgebucht waren und ich nicht zelten wollte, wanderte ich die erste Etappe bis zum Luxmore Hut und wieder zurück. 8 Stunden, 30 Kilometer. Und ich bin nicht fit? Auf dem Weg traf ich Peter aus England, ein älterer Herr aus Brighton. Wir hatten dasselbe Lauftempo. Also, ich war genauso langsam wie er.

Sportliche Studenten überholten uns, teilweise mit grossen Backpacks auf dem Rücken. Sie wanderten den gesamten Treck und müssen Essen, Trinken, Schlafzeug selber schleppen. Mit 18 Kilo auf dem Rücken hätte ich den Aufstieg wohl nur im Schneckentempo zurückgelegt. Der Weg führte zunächst durch einen Märchenwald. Bemooste Bäume, Fliegenpilze überall, verknorzelte Äste, weicher Waldboden. Ein Bächlein mit kristallklarem Wasser. Plitscher, Plätscher, Wasserfall. Und wieder Pilze, Moos, verwunschene Kulisse. Jeder Zentimeter ein Fotomotiv wert. Über der Baumgrenze dann ein “Aaaaaah”, grandiose Aussicht auf das Tal. Ein Stück noch zu laufen bis zur Hütte, die Füsse dampfen, das mitgebrachte Picknick (kalte Nudeln mit selbstgemachter Tomatensosse vom Vorabend, Rührei, Brote, Apfel) schmeckte herrlich.

Auf dem steil bergab gehenden Rückweg schmerzte mein Bein, ich tippelte mehr als dass ich ging. Ärgerlich. Nach weiteren drei Stunden brannten meine Fusssohlen. Ich trampte doch nicht zurück sondern lief mit Peter die sechs Kilometer zurück zum Ort. Dann war ich fertig. Ende. Stolz!

Neuseeland: Die Frau der Augenringe

Zugegeben, ich hatte keinen einfachen Start in Neuseeland. Da war die Umstellung, wieder alleine zu sein, wieder in Schlafsälen pennen zu müssen, wieder mehr auf’s Geld zu achten. Mit sich selbst beschäftigen.

Ich landete in Christchurch und verbrachte die erste Nacht in einem zum Hostel umgebauten Gefängnis (Jailhouse Accomondation, sehr originell gemacht). Zu Abendessen gab es eine ekelige Kürbissuppe aus der Dose. Auswärts essen war aber erstmal wieder gestrichen, denn das meiste Geld würde für Übernachtung und Transport draufgehen.

Der Gefängnissaal.
Der Gefängnissaal.
Ehemalige Zelle.
Ehemalige Zelle.
Jetzt Einzelzimmer.
Jetzt Einzelzimmer.
Zeichnungen der Insassen (nicht Backpacker).
Zeichnungen der Insassen (nicht Backpacker).

Die erste Nacht war nicht so gut, die zweite auch nicht. Für die dritte musste ich das Hostel wechseln, denn Christchurch war nahezu ausgebucht. Und alle anderen Orte auch. Der Osterhase stand nämlich vor der Türe und hat sich mir nicht angekündigt. Beziehungsweise die Semesterferien der Studenten. Beziehungsweise hatte ich das verpennt.

Christchurch habe ich mir dennoch mit dem Fahrrad angesehen und viel interessantes über die Stadt erfahren, die zuletzt 2011 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. Die Aufbauprojekte laufen und Ausstellungen, Street Art Festivals, Wettbewerbe sollen wieder Leute anlocken. Das fand ich super spannend und toll, wie die Menschen an diese grosse Aufgabe herangehen.

Mit dem Rad fuhr ich noch zu einem grossen Supermarkt, den ich zu Fuss nicht erreicht hätte und balancierte mein Essen für die nächsten Tage erfolgreich auf dem Bike. Auto wäre schon cool ….

Da die Umgebung von Mount Cook restlos ausgebucht war, fuhr ich mit dem Bus direkt nach Queenstown. Ich entschied mich für diese Transportvariante, da ein Mietauto sowie ein Camper zu teuer geworden wäre. Und im Auto wollte ich nicht schlafen, schliesslich beginnt hier bald der Winter und die Nächte sind kalt. Und eine Travelschwester fand ich nicht. In Queenstown war auch fast alles ausgebucht und ich musste nach einer Nacht in einem guten YHA Hostel in ein schäbiges, kleines Haus wechseln mit zwei WCs und zwei Duschen für 20 Leute.

Die Augenringe wurden immer dunkler.

Queenstown ist Partytown ist Work n Holiday Town. Überall sind sie. Im Supermarkt, im Café, im Infocenter, Restaurant, Imbissbude. Die Stadt ist sehr schön am See Wakatipu gelegen und hübsch anzuschauen, ein Skiort im Winter. Aber rein touristisch. Mit zwei Jungs, die ich im Bus kennen gelernt habe, verbrachte ich einen lustigen Tag. Gondel fahren, Ludge fahren, Frisbee Golf spielen. Das ist mein neuer Lieblingssport. Der Court lag in einem Wald und man musste die Frisbee mit möglichst wenigen Würfen in einen Korb zielen. Das macht so Spass und ist ein günstiger Zeitvertreib im Gegensatz zu den etlichen Adrenalinevents, die man buchen kann. Ich unternahm noch eine kleine Wanderung und lieh mir ein Mountainbike aus, mit dem ich 20 Kilometer den Queenstown Trail entlang fuhr.

Zu Ostern gab es ein kleines Stückchen Schokolade vom Bettkollegen im Hostel of Horror, ansonsten hab ich nichts verpasst. Nach vier Nächten ging es weiter nach Te Anau Richtung Milford Sound, einem D E R Hotspots in Neuseeland.

Christchurch

Queenstown