Diskofox auf Afrikaans in Mossel Bay

Ich mag Mossel Bay. Das einst populäre Ferien-Städtchen ist mit der Zeit leider etwas verunstaltet worden, als eine Ölraffinerie errichtet wurde und sich damit die Industriearchitektur breit machte. Dennoch erkennt man, was MB zu bieten hat: eine beeindruckende Felsküste, guter Wellengang für Surfer und abgefahrenes Nightlife.

Zu Anfang mussten wir uns erstmal der Hexe an der Rezeption des Backpackers widersetzen. Die hatte uns einfach den teureren “Luxus-Schlafsaal” angedreht mit der Begründung, es sei ansonsten alles voll, was nicht stimmte. Dank Hanna’s Einsatz und einem aufgesetzten Beschwerdebrief an das Management bekamen wir das Geld zurück! So geht’s ja nicht. Kleine Backpacker haben auch ihre Rechte!

Wir bestaunten die Nationalmeisterschaft der besten südafrikanischen Surfer, futterten köstlichen Fisch bis zum Anschlag und unternahmen einen langen Spaziergang an der Küste. Dank lustiger Trinkspiele waren wir dann auch bereit für das Nighlife der Stadt und zappelten zu Schlager auf Afrikaans in der Disko “Inferno”. Ich kam mir vor wie auf nem Schützenfest, was durchaus wieder irgendwie sympathisch war.

Die gebuchte Whale Watching Tour fiel leider aufgrund des stürmischen Wetters aus.

Mein nächster Stop: Capetown

It’s magic: Wilderness

Dieser Ort hat mich irgendwie in den Bann gezogen. Ob es am “Caveman” lag, den Walen in der Bucht, dem abenteuerlichen Spaziergang über die Eisenbahnschienen, am Spirit des Hostels, oder … wahrscheinlich an allem.

Am faszinierendsten war sicherlich zunächst der so genannte “Caveman”, ein sehr gläubiger Hippie-Typ, der in einer Höhle lebt. Einst war er auf der Suche nach einem anderen Ort, nach seinem “gelobten” Land. Als er in Wilderness durch den Eisenbahntunnel ging, tat sich ihm am Ende diese Höhle auf. Niemand geringerer als Gott hat ihm diesen Ort gezeigt. Josen!
Die Höhle hat er als Wohnraum ausgebaut, man geht hindurch wie in einem kleinen Häuschen mit sehr niedrigen Decken. Die Zimmer sind in einem Kreis angeordnet (wegen Kreislauf des Lebens und so….). Sie ist mit abertausenden Muscheln verziert und Dingen, die er am Strand findet. Das sieht einfach wunderschön aus, magisch, wie bei Alice im Wunderland… Sein Zuhause ist eine Ansammlung von Dekoration, Nippes und Stehrümchen, die en detail platziert worden sind. Hier liegt alles genau an seinem Platz, keine Unordnung, wie Exponate im Museum. Durch die spärliche Beleuchtung, den mystischen Kerzenschein, diese creepy exakte Anordnung der Dinge, Notizen zu Jesus, seine eigenartige Persönlichkeit – vermutete ich hinter der nächsten Ecke eine aufgebahrte Leiche. Hätte durchaus gepasst. Leider wollte ich nicht überall wie ein doofer Tourist rumfotografieren, das zerstört ja auch immer etwas…
Lustig: auf ‘nem Sessel lag das Magazin “Home Interior” – also hat er sich das alles wohl doch nicht selbst ausgedacht … Der “Caveman” wurde auch bereits vom TV entdeckt und hat bestimmt bald die ersten Japaner in seiner Höhle.

Wilderness hatte aber noch viel mehr zu bieten. Tolle Wanderwege durch den Nationalpark bis zum Wasserfall, ein langer langer Strand (leider war das Wetter nicht so gut) und das schöne Hostel “Fairy Knowe“.

Storms River

Storms River … dieses Dorf im Tsitsikama Nationalpark wird mir nun nachhaltig in Erinnerung bleiben. Im Hostel “Tube ‘n Ax” trafen wir Charles (Mitarbeiter des Hauses), der uns spontan zum Bungee Jump überredete. Also nein, überreden stimmt nicht, denn ich habe bereits seit der Safari im Kruger Nationapark über einen eventuell möglichen etwagigen Sprung nachgedacht (und in Köln noch gesagt, dass ich das auf garkeinen Fall machen werde…). Der Gedanke kam immer wieder auf, auch weil sich alle ständig darüber unterhielten. Aber es war sowas von spontan. Um 10:30 Uhr im Hostel eingecheckt, um 11:00 Uhr zugesagt, danach alle Viertelstunde auf’s Klo gelaufen, Herzschlag bis zum Hals, wieder auf’s Klo, um 13:00 Uhr Abfahrt. Vor Ort nochmal auf’s Klo und ab dann: Konzentration. Durchatmen. Nicht nach unten gucken. An nichts denken. However, es war der Wahnsinn! Wenn nicht da springen, wo sonst! Der höchste kommerzielle, freie Bungee Jump von einer Brücke! 216 Meter. Tage danach hatte ich immer noch dieses Bild vor Augen, wo ich am “Abgrund” stehe und springe.

Alle weiteren Aktivitäten ab sofort: boring. Wir waren mal wandern, haben uns Mountain Bikes ausgeliehen und sind im National Park bis runter an die Küste zum Storms River Mouth gefahren (Serpentinen bergab – und wieder bergauf, schnauf, muss zu meiner Schande gestehen, dass ich zwei mal geschoben habe. Aber es war einfach total heavy und trainiert bin ich ja nun auch nicht.). Natürlich war das alles nicht boring und die Natur einfach mal wieder sagenhaft schön!

Im Bus

Mittlerweile überlege ich mir schon ein Baz Bus Programm, um die langen Fahrtzeiten zu überbrücken: zunächst etwas Sightseeing, bis es auf die Autobahn geht. Danach die Spendings aufarbeiten, damit das Budget nicht aus dem Ruder läuft (muss mir dringend noch die Premium Version der “Money Control” App runterladen). Die “where to go next” steps überarbeiten, mit dem Bus Schedule abgleichen und ins Timetable setzen. Breakfast break an der nächsten Tankstelle. Time is money, daher im Bus essen, im Anschluss ein kleines Power Napping. Konversation und Networking mit den anderen Teilnehmern. Gegebenenfalls die next steps nochmal anpassen. Zeit für etwas Research auf dem e-reader (herrlich: “Abschalten – die Business Class macht Ferien” v Martin Suter). Es folgt ein zweites Napping vor dem Lunch. Lockerer Austausch mit weiteren Teilnehmern bis zur Abfahrt. Activity plan für die nächsten Stops aufsetzen (Mountain biken, Hiking, Zip lining, Tubing, Game drive, Surf lesson, Yoga ….) und mit dem Budget abgleichen. Einträge in das Baz Bus Book vornehmen (Bewertung des Drivers). Langweilen.

Bungee Jump -LIVE-

Weil’s so schön war!

Jeffreys Bay

Wenn man schon mal in Südafrika ist, muss man sich auch den Surfspot aller Surfspots anschauen. In Jeffreys Bay, ca. 1,5 Stunden von Port Elisabeth (hier hatte ich nur eine Nacht Aufenthalt) entfernt, fanden im Juli die Surfcups statt (leider nicht im September, wäre ja nett gewesen).
Der Ort ist sehr hübsch, viele schicke Ferienhäuser. Da aktuell Nebensaison ist, war ziemlich wenig los und: das Wetter war schlecht. Total windig, morgens Sonne, nachmittags kam der Regen und die Kälte (am letzten Tag hatten wir 14 Grad, bibber).
So haben wir uns (meine neue Reisebegleiterin Johanna und ich) den Tag wie folgt vertrieben: Morgendusche, ausgedehntes Frühstück inkl. Seaview, schnacken mit den weiteren Gästen, Beachwalk bis zu den Supertubes, glotzen, unterwegs Muscheln sammeln (und wieder weglegen, ich kann schlecht welche mitnehmen), Rückweg am Supermarkt vorbei, im Lieblingscafé snacken und nen richtigen Kaffee trinken, zurück zum Hostel, erstes Bierchen einnehmen (nach vier wohlgemerkt), Abendessen, Party.
Ja, auch dieses Hostel war ein Partyhostel. Jeden, wirklich an jedem Abend dieser 3 Tage war an der Bar suffen angesagt. Ein beliebtes Saufspiel ist hier Beerpong. Wer es nicht kennt: An einem langen Tisch stehen sich zwei Leute gegenüber und müssen mit einem PingPong Ball in Plastikbecher treffen, die mit Alkohol gefüllt sind (gerne Bier oder Smirnoff Ice, brech). Trifft der Gegner, so muss man den Becher austrinken. Geht’s daneben und der Gegner fängt den Ball, muss man ebenfalls trinken. OMG. Ich hab mich da rausgehalten und mich am Rande köstlich amüsiert.

Weird!
Weird!

‘Türlich war ich shoppen. Im Ort gibt es ein riesiges Billabong Outlet. Musste mich schwer zurückhalten und diverse Bikinis wieder zurückhängen, aber eine Basecap und ein Swimshirt zum Schnorcheln, schützt vor der Sonne, durfte es schon sein. Für 17 EUR.

Und zum Schluss noch ein paar “leckere” Bilder aus dem Hostel. So schlimm war es garnicht, manche Backpacker sagten mir, dass das noch das Paradies ist. Schluck!

Chintsa

Chintsa ist ein wunderschöner Beachort an der “Wild Coast” kurz vor East London. Traumhafte 18km Bucht, Sand, Muscheln und Steine, keine Menschenseele unterwegs (oder nur zwei/drei/vier/ganz wenige).
In Chintsa residieren überwiegend bis ausschliesslich reiche Afrikaner mit blasser Haut.
Vom Strand aus kann man schicke Hüttchen erspähen, wovon ich auch sehr gerne eines als Wochenendhäuschen geschenkt bekommen würde. Ich checkte im Backpack-Hostel “Buccaneers” ein; schön gelegen und sehr sympathisch von der ganzen Familie mit Herz und Leidenschaft betrieben.
Geschäfte gibt es in Chintsa so gut wie keine, nur ein Café , ein Mini-Markt, eine Tanksäule, das war’s. Und das famose Village Bistro (wo ich gerade sitze, Dank free-Wifi mit guter Qualität und wir jeden Tag essen waren.)
Mein Aktivitätenplan für die vier Tage vor Ort: Nichtstun.
So ganz ging das auch nicht auf, denn 6km am Beach spazieren gehen ist auch Aktion. Joggen war ich auch, herrlichst, keiner da, nur die Wellen, der Sand und ich.
Im Hostel ergaben sich interessante Gespräche u.a. mit der Betreiberin.
“Fuck it, my gay-friend invited me to Cologne and, shit, he’s so fuckin open-minded, the pride there is so amazing. In Southafrica we are open-minded but, fuck, he’s so very open-minded, you know…” oder mit dem Baz Bus Driver.
“I explain them that the bus just drive 100 km/h, it is a controlled tempo-limit. When we drive down the mountain, it will just FEEL faster, especially in the back of the bus. And who dam’n fuckin shit writes in the comment book of the Baz Bus ‘little bit too fast’? The Germans! Driving on highways with 200 km/h”

And fuckin hell shit wann fährt der Bus morgen ab? 17:00! Ausschlafen! Juhu!

Durban

Die Zweitgrößte Stadt Südafrikas ist ein Must-Stop auf der Baz Bus Route. Die meisten verbringen hier nur eine Nacht und fahren dann weiter an die “Wild Coast”. Das hatte ich auch vor und buchte ein Hostel in der City, damit man abends nochmal um’s Eck gehen kann bevor der Bus am nächsten Tag um 06:45 Uhr wieder abfährt.

Hostel-unerfahren wie ich ja noch bin fuhren wir zum zentral gelegenen “Tekweni”, das im Lonley Planet als Partyhostel ausgezeichnet wurde. Und die Party startete auch sogleich! An der Rezeption verstand man vor lauter BummBumm Musik kaum ein Wort, die Zimmer sahen nach Rock ‘n Roll aus und als am Abend eine Horde irischer Studenten einfiel, war klar, dass die Nacht lustig werden würde… Mit drei weiteren Leuten ging ich abends Mexikanisch essen und danach noch in eine Bar. So cool! Freitag Abend, Girls & Boys super aufgestylt, die Stimmung zur RnB Musik: easy. Und da standen wir vier Touristen… mit Outdoorjacke, Sandalen, Leggings, ohne Schmuck, Frisur und Make-up. Der Cocktail für umgerechnet 2,75 EUR schmeckte aber auch ohne Fashion-Outfit sehr sehr gut!
Im Hostel ging derweilen die Paadie ab. Dort angekommen wurden wir von schwer betrunkenen mid-twenties begrüßt (und später dann auch auf die Tanzfläche gezogen). Bis hierhin war es lustig, nur auf dem Zimmer ließ sich der Bass der Hostelparty und das Wummern der gegenüberliegenden Bar nicht abschalten. Ohrenstöpsel! Sofort! Bis zum Anschlag! Und: Avoid Party-Hostels!

Northern Drakensberge

Ich hatte das Gefühl, seit meiner Ankunft nur im Auto zu sitzen. Shuttle hier, Transfer da, 10 Stunden Gurkerei von Johannesburg bis zum Kruger, im Kruger 3 Tage lang im Jeep, 10 Stunden wieder zurück nach Johannesburg … Darum freute ich mich besonders auf die Wandertour in den Drakensbergen. Endlich wieder Bewegung. Nach nur (!) 7 Stunden Anreise erreichte ich mit dem Baz Bus das Backpacker Hostel “Amphitheatre Lodge” mitten in einer Ebene zwischen den Drakensbergen. Eine faszinierende Kulisse!
Die Wandertour zum Wasserfall fand an dem Tag leider nicht statt (hrmpf!), dafür bin ich dann mit einer Gruppe rüber in das Nachbarland Lesotho. Wieder im Bus sitzen, Hoppelpiste über Stock und Stein…
Vor Ort besichtigten wir dann eine Schule, gingen zu den uralten Malereien an einer Felswand über dem Dorf und tranken von den Dorfeinwohnern selbstgebrautes Bier. Aus’m Pott. Alle Mann. Auch die Einheimischen, die dort im kleinen Lehmhaus versammelt waren (Männer rechts, Frauen links). Nach ein paar Schlucken wurde zufrieden gerülpst und sich eine Ziggi gedreht (Big Father rechts Aussen). Nach dem Biergenuss (Zutaten u.a. Mais, schmeckte beim Abgang nach Brot), ging es zum Heiler. Auf meine Frage, welche Kräuter er den Einwohnern gegen den Hangover nach zuviel Bier gäbe, lachte er nur: “this is no illness”. Im Bus wurden wir zum Haus des Schullehrers gefahren und konnten dort Klebereis mit Spinat kosten. Schmeckte wirklich gut! Auf der Rückfahrt wünschte ich mir ein Fahrrad, alles, nur nicht mehr Bus fahren. Zumindest hab ich auf der Wiese ein bisschen Stretching gemacht, und meine gefalteten Beine und den Rücken wieder etwas glatt gezogen. Danach hatte ich Muskelkater. Vom Stretching. Geht ja garnicht! Morgen wieder in den Bus, 10 Stunden, nach Durban.